Kilometerrauschen
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    Regentag und viel frische Luft

       


    Kilometerrauschen 11.11.2018, 14.59| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Los geht es über den Atlantik

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    Baustelle

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    Vietnam 24: Ende




    Kilometerrauschen 24.10.2014, 05.49| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 23: Tschüss und auf Wiedersehen




    Kilometerrauschen 24.10.2014, 05.47| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 22: Eine Kokosnuss zum Abschied


    Eigentlich wollten wir noch einmal mit einem Taxi zu einer der sogenannten Traumbuchten gucken, aber als wir den Hotelmanager von unserem Plan berichteten, sah ich Zweifel in seinen Augen. Sooo traumhaft, dass es sich lohnt 48 Dollar  dafür auszugeben ist es nun auch wieder nicht, deuteten wir den Blick.
    Dicke fette Wolken zogen auch über das Meer, wunderschön anzusehen, aber ziemlich viel Wasser drin...dachten wir uns.  
    In der Nacht hatte es  geblitzt und gedonnert. 
    Die Liegen unter Palmen riefen uns lautstark...wir drehten um und folgten ihrem Ruf. 
    Statt Taxi buchten wir Massagen und wie sich zeigte, war das der bessere Plan, denn es regnete immer mal wieder und das tropentypisch: kurz und heftig. 
    So ließen wir uns durchkneten. Eine sehr lustige Veranstaltung. Die beiden Mädchen, fast noch Kinder in unseren westlichen Augen, kicherten sich kaputt, während sie mein Hüftgold durchkneteten. 
    Dann traute ich meinen Sinnen nicht,: die zum Glück sehr zierliche Person stand auf meinen Fußsohlen und lief anschließend auf meinen Unterschenkeln herum. 
    Mein Angetrauter, bäuchlings neben mir, grunzte undeutlich. 
    Ich war heilfroh, dass das Mädel so eine extrem zierliche Vietnamesin war, denn nun machte sie eine Art Handstand auf meinem Rücken und kicherte was das Zeug hielt. 
    Zwischendurch ging ein kleines, aber sehr lautstarkes Gewitter runter, wohlgemerkt war der Massagesalon eine kleine Strohhütte mit Palmendach und Blick aufs Meer. 
    Nachdem alle Zehen und Ohren und sonstige Extremitäten langgezogen waren und die Fettpolster durchgewalkt, war der Ausflug in den Wellnessbereich beendet. Wir hüpften in den Pool.....tja, das war`s dann wohl....

    Am Abend nach einem herrlichen Jackfish als Abschiedsessen und einen Hauscocktail, mit selbst gemachten Gewürzrum, wollten wir noch einmal die tropische Nacht am Strand genießen. Wie ich diese Nächte liebe !! 
    Zum Schlafen, ich gestehe: liebe ich auch die Klimaanlage.
    Wir gingen durch den parkähnlichen Garten, mit Flüsschen, Fröschen, roten Seerosen und zirpenden Grillen. 
    DA !!! Ein Donnerschlag !!! Der Boden vibrierte.
    Ich erschrak und drehte mich um…..da lag sie:
    Eine dicke Kokosnuss !!! 


    Knapp daneben ist zum Glück auch vorbei, da grinst die Kokosnuss!



    Da hing sie....so 10 Meter waren das schon..

    Die ganzen Ferien fragte ich mich, wieviel Menschen werden eigentlich von Kokosnüssen erschlagen ? 
    Mit dem Korpus Delicti in der Hand, werde ich morgen mal den Chef des Hauses fragen :-))
    Ich bin sicher, in Deutschland dürfte man die Hotelanlage nur mit einem kleidsamen Bauhelm betreten.

    Kilometerrauschen 24.10.2014, 05.39| (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 21: Zwei Seiten einer Insel

    Das Hotel ist so persönlich und nett geführt, dass wir uns einen Tag auf die faule Haut gelegt haben, Pool, Meer und die gute Küche genossen und das war`s dann auch.

    Am nächsten Tag trieb uns aber die Neugier aus dem Resort.
    Schließlich wollten wir genauer wissen, wo wir nun eigentlich gelandet sind.
    Das Hotel rief uns ein Taxi und wir fuhren nach Duong Dong, dem größten Ort der Insel.
    Im Zentrum stiegen wir aus.....tja, was soll ich sagen.....Dreck war das Erste was mir ins Auge sprang. Überall Plastikmüll, Styroporschachteln usw usw..
    Und was da im Meer schwamm....!!!








    Aber es muß mal bessere Zeiten gegeben haben, die Reste einer schönen Uferbefestigung waren noch zu erkennen....
    Wir gingen auf den Markt.

    Im Ort war eine große Baustelle, da eine neue Brücke über einen Fluss gebaut wird. 
    Mit der Baustelle wird sehr locker umgegangen. 
    Ich weiß jetzt woher der Ausdruck: "Vom Erdboden verschluckt“ herkommt. 
    Vor meinen Füßen tat sich ein großes Loch auf, ein wirklich großes und sehr tiefes Loch. Mit Chance hätte mein Sonnenhut noch rausgeguckt.
    Die Baustelle liegt mitten im Ort, wo immer der Markt stattfindet. Markt und Baustelle?? Kein Problem!
    Kein Mensch kümmert sich darum und arrangiert sich mit den Gegebenheiten. 








    So balanciert man über Bretter, Eisen, hüpft über Schlamm und Pfützen und weicht den Baumaschinen aus. Die schwitzenden Arbeiter, erfrischen sich mit einem Wasserguss und weiter geht es mit der Arbeit unter praller Tropensonne.  
    Die Vespas quetschen sich durch die engsten Winkel über Matsch und Schutt, dazwischen Passanten und Verkaufsstände....
    Kleine Wägelchen auf denen Fleisch verkauft wurde standen am Rand. 




    Die Verkäufer saßen zwischen der Ware oben auf der Ladefläche und schnitten und wogen das Fleisch ab, um es zu verkaufen. Hunde und Hühner laufen überall herum. 
    Ich musste grinsen, als ich an Deutschland dachte, wo kein kleiner Hund, und sei es auf dem Arm, in ein Drogeriemarkt darf, weil es dort eingeschweißte Lebensmittel gibt.
    Dann stellte ich mir die Frau des Metzgers meines Vertrauens vor, wie sie
    mit eingeschlagenen Beinen und nackten Füßen auf der Theke sitzt, Fleisch und Wurst abwiegt und verkauft. 
    Wenn es nur nicht so heiß gewesen wäre, hätte ich mich bei dem Gedanken kringeln können vor lachen. 
    So rann er mit samt dem Schweiß den Rücken runter, möglichst wenig bewegen war die Devise.

    Im Meer ein halb versunkenes Boot und drumherum Dreck über Dreck...dazwischen schwamm ein junger Mann, der offensichtlich etwas suchte.


    Der Ort wirkte durch seine malerische Armut, wenn man denn so will. 
    Wir haben festgestellt, dass es überwiegend zwei Brillen gibt, die Vietnamreisende auf der Nase haben. 
    Einmal die Brille, die Dreck und extrem ärmliche Verhältnisse romantisch verklärt und alles exotisch findet. 
    Dann die Luxusbrille, durch die man einen Südseeblick mit türkisblauem Meer, Palmen und Wellness erhält und die Luxusrestaurants und Tempel usw entdeck. 
    Sie filtert gekonnt, Schlaglöcher,Smog, entbehrungsreiche Lebensumstände heraus. 
    Unterschiedliche Wahrnehmungen, unterschiedliche Bilder von Vietnam.
    Irgendwo dazwischen liegt wohl die Realität. 
    Geärgert hat mich, besonders was Phu Quoc anbelangt, die komplett einseitige und schwärmerischen Beschreibungen im Reiseführer. 
    Ein bisschen mehr Objektivität wäre angebracht gewesen.
    Es ist zweifellos eine wunderschöne Insel, aber der unglaubliche Dreck macht viel kaputt. Der ganze Plastikmüll, der nicht verrotten kann, bildet breite Säume am Ufer und verteilt sich im ganzen Land. Wir haben nur einen kleinen Ausschnitt der Insel sehen können, die Zeit war zu kurz, aber das Müllproblem war überdeutlich.  

    Wir nahmen uns wieder ein Taxi, um zu einem Fischerdorf am anderen Ende der Insel zu fahren. 
    Auf dem Weg dorthin besuchten wir eine Pfefferfarm und einen viel gepriesenen Wasserfall. 
    Letzterer entpuppte sich als eine in der Entstehung befindliche Attraktion für die in Massen herbeigewünschten Touristen.....ob die Rechnung aufgeht? 
    Ich glaube, es geht alles zu schnell und die allgegenwärtige Korruption (wie uns unsere hier lebenden Reiseleiter berichteten) verhindert einen sanfteren Umgang mit den neuen Umständen. 
    Immerhin, ein paar Naturparks sind ausgewiesen, ein guter Anfang. 
    Alles braucht seine Zeit. 
    In einem Restaurant mit riesiger, überdachter Terrasse wollten wir eine Kleinigkeit essen. 


    Der Taxifahrer deutete mit Händen und Füßen an, dass wir uns den lebenden Fisch in den Becken aussuchen sollen und er dann für uns zubereitet wird. 
    Ich überließ meinem Ehemann die Aufgabe, das Todesurteil zu fällen und verdrückte mich feige auf der Terrasse und musste ganz plötzlich und ganz dringend Fotos machen. 




    Ja,ja ich weiß...erst jammern, den Tierfreund raushängen und dann trotzdem fressen.....
    Thomas hat dann vier Garnelen ausgewählt...lecker, aber....

    Den Nachmittag verbrachten wir dann wieder in unserer Ferienoase, alles hübsch, sauber und lecker…
    Da ist sie wieder, die eine Seite der Insel.

    Am Abend, während ich dies auf dem Liegestuhl liegend schrieb, schlich ein ziemlich großes Tier mit seeehr langem Schwanz unter MEINEN Liegestuhl. 
    Sie gehört zu Vietnam, wie Sonne, Palmen, Meer, tolles Essen und die liebenswerten, herzlichen Menschen, aber ihr hättet mich mal kreischen hören sollen. 
    Der Abend auf der Terrasse war gelaufen und unter dem Moskitonetz verkrochen lachte ich mich tot und stellte mir vor, wie das Tier sich die Pfötchen reibt und sein wiedererlangtes Terrain genoss. 

    Kilometerrauschen 23.10.2014, 08.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 20: Phu Quoc

    Der Abschied tat nicht weh und der Flug von Saigon nach "Phu Quoc"war ne Wucht. 
    Mit einer Propellermaschine flogen wir in nicht so großer Höhe über den Mekong mit den endlosen Reisfeldern und schließlich über das Meer auf die Insel vor der Küste von Kambodscha.



    Ein Flugbegleiter mit Haltung :-)

    Wieder wurden wir mit einem Taxi abgeholt und in unser Strandhotel gebracht.
    Wir bezogen unser kleines Häuschen mit Blick über den schönen Garten mit Pool und Kokospalmen bis zum Meer. 





    Zum Mittag aßen wir im offenen Restaurant den herrlichsten Fisch....



    und dann ab in den Pool...




    FERIEN FERIEN FERIEN
                                           
    Der Eigentümer ist ein seit 20 Jahren auf der Insel lebender Amerikaner. 
    Er hat hier eine kleine, sehr familiäre Hotelanlage gebaut. 

    Zum Sonnenuntergang wurden alle Gäste, es war nur eine Hand voll, zu einer Cocktailparty eingeladen. 
    Da standen wir, mit den sehr netten Gästen beisammen. Es gab Garnelen, Fischklöschen usw usw..dazu ein Mixgetränk des Hauses und sehr guten Wein....und den Sonnenuntergang über dem Südchinesischen Meer...Traumhaft.
    Eine tropische Nacht, mit Sternenhimmel, Meeresrauschen, Palmen...

    Für die Nacht waren unsere Betten mit Moskitonetzen umhüllt.
    "Falls du heute nacht was poltern und stöhnen hörst, schau mal nach deinem Weib, vielleicht musst du mich aus dem Netz befreien.."
    Er musste nicht, ich schlief wie ein Stein.

    Kilometerrauschen 21.10.2014, 08.06| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 19: Saigon..die Letzte...

    Morgens wurden wir wieder einmal abgeholt zu einer Führung nach Chinatown und zu einer Führung durch die chinesich-vietnamesischen Medizin. 
    Unser Führer entpuppte sich zu einem sehr strengen Führer. Er hatte in der ehemaligen DDR gelebt und eine militärische Strenge war ihm irgendwie geblieben. 
    "Meine Damen und Herren!"  begann er seine Ausführungen mit sehr offiziell klingender Stimme vom Vordersitz aus. 
    Ähh, ... Damen,  Herren....???!!!  Wo sind die denn?? lachte ich innerlich. 
    In dem Stil ging es die ganze Führung über. Irgendwie putzig.
    Zunächst ging es in ein Museum für Chinesische Medizin. 
    Vor einem schönen alten Haus hielten wir an. Es war der Showroom einer Pharmafirma. Hier sollten wir eine Einführung in die Chinesische Medizin erhalten.
    Wir wurden vor eine Leinwand gesetzt und 20 Minuten durften wir uns über die überragende Qualität der Pharmaprodukte der Firma informieren. Der Film war in einem seltsamen Propaganda Ton gehalten. 
    Im Gegensatz zu dem Film, war das alte Haus ein Traum. Die Firma macht offensichtlich gut Geld und kann sich die aufwendige Sanierung leisten.
    Verschachtelt über mehrere Stockwerke waren kleine Räume mit Ausstellungsstücken und wundervolle winzige Gärten angelegt.


    Ein Garten im 5.Stock


     Alles verbunden durch ein schönes hölzernes Treppenhaus. Das war die eigentliche Sehenswürdigkeit. 
    Wir kauften ein paar Fläschchen Pfefferminzöl (90 Cent), für den Rückflug und einen Lotusblütentee gegen Unruhe und Schlaflosigkeit.
    Wie immer hatte auch diese Unternehmung einen Anflug von Butterfahrt. 
    Aber wie uns Ralf erklärte, verdienen die Reiseführer so wenig, dass sie über die Prämie, die sie durch die Verkäufe erhalten, ihren Verdienst etwas aufstocken können. 
    So kann ich jetzt schlafen wie ein Bär und Kopf- und Gelenkschmerzen, kreisrunder Haarausfall, Haarspitzenkatarrh , Magenprobleme und Kreislaufkollaps gehören dank des Pfefferminzöls der Vergangenheit an. 

    Chinatown war für uns dann auch eher enttäuschend. 
    Es bestand aus ein paar Geschäften mit Tempelbedarf und chinesischen Schriftzeichen an den Häusern. 
    Jedenfalls in dem Teil, den wir zu sehen bekamen.
    Nächste Station war ein Tempel.
    Hier hielt unser Reiseleiter einen endlosen Vortrag über Gott und Götter.
    Die Räucherstäbchen qualmten, mir begannen die Augen zu tränen. 




    Erbarmungslos hielt der Führer seine Reden. 
    Ich bin sicher, kein böser Geist hat hier eine Chance. 
    Wie die Räucherheringe kamen wir zum Vorschein und blinzelten mit kleinen rotgeränderten Augen in die Gegend. 
    Zum Glück stand das klimatisierte Luxusauto schon bereit und wir wurden flugs ins Hotel gekarrt.

    Zu Mittag kämpften wir uns wieder durch Gluthitze durch die Stadt, denn wir wollten in einer Garküche, die uns Ralf genannt hatte essen. 
    Es waren ca 35 Grad, gefühlt 42 laut Wetterapp, persönlich gefühlte 49 Grad mindestens. 
    "Nur Idioten gehen bei dieser brüllenden Hitze zu Fuß durch diesen Moloch von Stadt!" pfiff ich auf dem letzten Loch hinter meinem Ehemann hinterher. Selbst das Pfefferminzöl als Retter in der Not kam da nicht hinterher .
    Schweigend stolperte er vor seiner Angetrauten durch die Straßen.
    Seine Körperhaltung verriet ebenfalls Unbehagen, er macht das aber eher schweigend mit sich aus.
    Endlich erreichten wir das Ziel. 
    Eine große Wellblech gedeckte Halle mit langen Tischen. 




    Die Speisen sind bemerkenswert :-))

    Wir setzten uns an einen kleinen Zweiertisch. Die Karte wurde gebracht und wir bestellten das Gericht, das uns Ralf empfohlen hatte. Mariniertes Rindfleisch vom Holzkohlengrill. Ein Tontopf mit Holzkohlenfeuer  wurde uns an den Tisch gebracht. Schön kuschelig!! Bei den Temperaturen, so um 35 Grad heizte uns das noch mal so richtig ein. 
    Thomas Hemd bekam verdächtig dunkle Flecken. 
    In meinem Rücken bildete sich ein Wasserfall, der irgendwo zwischen Hose und Stuhl versickerte.  
    Das Fleisch war würzig, zart und lecker. Ich stand auf und Thomas grinste breit mit Blick auf meine Hose von hinten. 
    Für den Rückweg ließen wir uns eine Taxe kommen. 
    Nein, keinen Schritt freiwillig  mehr in dieser Stadt. 
    Im Hotel legte ich mich trocken und dann aufs Bett. Keine 2 Sekunden später schlief ich ein....
    Am späten Nachmittag gingen wir auf den „Bitexco financial tower“. Der Eintritt war für
    vietnamesische Verhältnisse zackig (15 Euro), aber der Blick war wirklich toll.

    Wir wollten wieder beim Japaner essen, da wir die Adresse nicht genau wussten, schloss sich eine Taxifahrt aus. Also auf auf zum fröhlichen "Vespaslalom "
    Es war noch richtig heiß, über 30 Grad und sehr stickig. 
    Es gibt immer einen Urlaubstag, an dem ich die Krise kriege, das war er nun. 
    "Was hast du denn?", fragte Thomas, selber völlig verschwitzt
    "Ach Scheiße, ich kriege gleich `nen Kreislaufkollaps..außerdem hat man die Wahl, entweder man versinkt in einem Loch, oder man wird zur Kühlerfigur auf einer Vespa, oder man stolpert über einen Plastikhocker und landet auf dem Ofen der Garküche. 
    Ich habe ja so die Schnauze voll. Ich brauche was zu trinken, mir kommt gleich die Galle hoch..und das meine ich wörtlich!"

    Die Rettung war ein japanisches Eiscafe und dort bekam ich einen guten Tee bei klimatisierter Luft mit genügend Atomen Sauerstoff.

    Nach der Stärkung war der Rest des Weges zu bewältigen. Nach dem Essen nahmen wir uns eine Taxe zum Hotel....keinen Schritt mehr.
    Nein Saigon, wir werden keine dicken Freundinnen.






    Kilometerrauschen 21.10.2014, 07.09| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 18: Saigon , Saigon....meine Nerven...

    Am ersten Tag in Saigon führte uns Ralf Dittko, der seit 20 Jahren in Saigon lebt, durch die Stadt. 
    Abseits der Touripfade, denn das können wir allein. 
    Er erklärte uns viel über die Stadt und wir konnten ihm alle Fragen stellen, die sich uns im Laufe der Reise gestellte hatten. 
    Das war hochinteressant und wir hatten viel Spaß.
    Selbst die Straßenüberquerungen waren mit ihm mehr lustig als nervig. 
    Mit traumwandlerischer Sicherheit schlenderte er durch den Verkehr und wir folgten ihm wie die Lemminge. 
    Ich bewunderte die schönen, riesigen Bäume. 
    "Davon gab es bis vor kurzem ganze Alleen", sagte er und rieb Damen und Zeigefinger aneinander. 
    Eine Geste, die sich noch oft wiederholen sollte, während er mir Fragen beantwortete. 
    Die Bäume waren Mahagonybäume und das Holz lässt sich prächtig zu Geld machen. Unter oft fadenscheinigen Begründungen fallen sie bei Nacht und Nebel der Säge zum Opfer und der Erlös des Holzes landet im Geldsack eines Neffen irgendeines Parlamentariers. 
    Mir blutete das Herz. Welch großen Nutzen haben diese wunderschönen Bäume allein bei diesem mörderischen Klima. 
    Ebenso, wie die schönen Bäume sind die Kolonialhäuser dem schnöden Mammon gewichen. Nur noch sehr vereinzelt stehen sie verschämt zwischen gesichtslosen Neubauten, die mit Architektur nicht viel zu tun haben. Dadurch hat die Stadt meiner Meinung nach, ihre Individualität und Attraktivität eingebüßt. Alles ist beliebig und austauschbar. Nur die Parks stechen aus dem Häuserallerlei heraus. Sie sind wunderschön gepflegt und bieten Erholung von Lärm und Stress. Nur sind sie sehr klein, jedenfalls die, die wir gesehen haben und nicht ganz einfach zu erreichen, da der Verkehr um sie herum am Tosen ist.

    Die Oper


    Sozialversicherung, Krankenversicherung, Steuermoral...oder besser -unmoral und die Hintergründe dazu, all das und noch viel mehr waren spannende Themen. 
    Zur Erfrischung tranken wir Zuckerrohrsaft an einem Straßenwägelchen, Pomelosaft in einem Arbeitersportverein. Wohlgemerkt konnten sich die Kinder der Arbeiter die Benutzung der Sportanlagen nicht leisten, da alles Gebühren kostet. 
    Wir aßen Mittag in einem kleinen Lokal, das liebevoll im vietnamesischen Stil eingerichtet ist und in dem "Muttern" kocht. Es gibt nur ein Gericht. 
    Das war richtig gutes, sauleckeres Essen. 
    Als ich dort auf der Toilette war, fiel mir wieder eine Frage ein, die mich immer wieder beschäftigte: Warum hängt das Klopapier immer hinter dem  Rücken an der Wand, sodass man nicht dran kommt und was soll der kleine "Kärcher" neben dem Spülkasten?. 
    Ich hatte den schon mal mit der Spültaste verwechselt und verließ  peinlich berührt und fast wie geduscht die Kabine. 
    Ralf erklärte mir, dass das Klopapier ein Zugeständnis an die Touristen ist und eigentlich nicht benutzt wird, da viele Häuser nicht an die Kanalisation angeschlossen sind und das Papier in den Sickergruben Probleme macht. 
    Statt Papier benutzt man den "Kärcher", eigentlich viel hygienischer, nur was macht man dann mit dem nassen Po ???? 
    Es blieben Fragen offen....Aber nun wusste ich, wieso die Kabinen oft patschnass waren. Apropos Kabinen, oft ist es nur ein kleiner, halbhoher Sichtschutz vor der Öffentlichkeit.....jedenfalls in den Altbauten. 

    Nach dem tollen Essen, zeigte Ralf uns noch einen Buddhistischen Tempel und klärte uns über die Hintergründe der "Bettelmönche" auf...Sehr ernüchternd und aberwitzig....mehr dazu vielleicht an anderer Stelle...

    Ich hätte noch stundenlang so weitermachen können, aber leider war die Zeit rum und wir wurden wieder ins Hotel gebracht.
    Den restlichen Tag schlugen wir uns durch die Strassen, guckten über den Roten Fluss, schmissen einen Blick aus dem Sheraton-Hotel im 22. Stock auf die Stadt, guckten uns die Oper von außen an und suchten die im Reiseführer erwähnten Boulevards...wir fanden sie nicht. 

    Der rote Fluss, zu breit für ein Foto :-)






    Im wahrsten Sinne des Wortes hatten wir die Nase voll und verdrückten uns in einen ruhigen Hof mit vielen Lokalen und gingen das erste Mal fremd:
    Wir aßen bei einem Japaner Sushi. 
    Meine Bedenken hinsichtlich feuchter Hitze und rohem Fisch warf ich über Bord, mein Angetrauter half mir dabei, und so kam ich in den Genuss eines köstlichen Sushis. Nach über zwei Wochen vietnamesischen Essen tat das auch mal gut. 

    Zurück zum Hotel nahmen wir uns ein Taxi....nix Vespa, nix Gestank, nix Hitze, nix Schlaglöcher im Gehweg...einfach in klimatisierter Kiste durch den Verkehr geschoben werden, mehr war nicht mehr drin im strapazierten Nevenkostüm. 









    Kilometerrauschen 21.10.2014, 06.30| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

    Vietnam 17: Saigon, ein seltsamer Glaskasten und...

    Mit dem Taxi fuhren wir nach DaNang zum Flughafen. Auch hier lief alles wieder völlig entspannt. Nach einer Stunde Flug landeten wir in Saigon. 
    Am Ausgang hielt ein freundlicher junger Mann ein Schild mit unserem Namen in der Hand. 
    Der Transfers vom Flughafen war vom Reisebüro organisiert worden, denn gerade am Flughafen von Saigon gerät man leicht in die Fänge eines betrügerischen Taxifahrers. Wir hatten nicht so tolle Geschichten gehört.
    Nun saßen wir im Taxi und der Fahrer kämpfte sich durch den Nachmittags-Verkehr. 
    Davon gab es hier noch mehr als in Hanoi. 
    Die Straßen waren breiter, die Autos zahlreicher und die Rudel der Vespas erschienen undurchdringbarer. 
    "Die Straßenüberquerung wird hier noch mal so ein richtiges Abendteuer," bemerkte ich.
    Unser Hotel lag mitten in der Stadt, fußläufig zu allen Sehenswürdigkeiten. 
    Es war blitzsauber aber potthtäßlich eingerichtet. 
    Ich nenne es mal "puffig".
    Stolz zeigte uns der Hotelangestellte, der uns das Zimmer zeigte, das Bad.
    Da stand ein großer Kasten aus Plexiglas, mit zahlreichen Düsen, Spiegel, Kopfpolster, Knöpfchen und Drehern....
    Als er raus war,  konnte ich mich kaum halten vor Lachen:
    "Das soll `ne Dusche sein?!?!... Ich bin sicher, ich finde den Knopf für das Wasser nicht, statt dessen geht Musik an, das Teil hebt ab und katapultiert mich ins All. Auf dem Flug kann ich dann meinen Luxuskörper im ovalen Spiegel betrachten!!" 



    Thomas fingerte neugierig an irgendwelchen Dreher herum:
    "Guck mal hier, da kommt heißer Dampf raus!" rief er belustigt. 
    Sofort musste ich an die gedämpften rosa Garnelen denken, die man hier überall bekommt.....
    Ich wusch meine Hände in dem mit weißen Lotusblüten verzierten Waschtisch, alles aus glänzendem Plastik gepresst. 
    Anschließend ließ ich mich aufs weiß-goldene Bett plumpsen.
    "Ist ja alles neu und sehr sauber, aber es wirkt irgendwie schmierig...." 
    Auch die Lobby war ein Gedicht aus glänzendem weißen Plastik mit viel Gold und Silber. 
    In einem verglasten Eck im Hochparterre, sah aus wie ein großer Schaukasten, stand eine silberne Sofagarnitur, nachtblau gepolstert und mit großen glitzernden Straßsteinchen abgesteppt. 






    Auf diesem Gerät in der Glasvitrine nahmen wir unseren Willkommensdrink ein. 
    Es war zum Brüllen komisch. 

    Wir hatten Hunger und wollten in einem Restaurant essen, das uns empfohlen wurde. 
    Es war nicht weit und die Stadt wirkte im ersten Eindruck nicht so, dass wir gleich große Experimente machen wollten.
    Los ging`s. 
    Nach ein paar Metern blieb mir jeder Funken guter Laune im Hals stecken. 
    Es war heiß, logisch, es gab jede Menge Vespas, auch nichts neues, aber hier fuhren sie auch auf den völlig maroden sogenannten Gehwegen. 


    Sie parkten nicht, nein sie flitzten rechts und links an einem vorbei. 
    Dazu gibt es sehr viel mehr Autos als in Hanoi und die Straßen sind sehr viel breiter. 
    Es gibt auch Ampeln, das half ein wenig, aber nur ein klitzekleines Wenig. 
    Ich stolperte und keuchte hinter Thomas her. 




    Die Verständigung musste auf Zeichensprache umgestellt werden, da es so brüllend laut war, dass jede verbale Kommunikation unmöglich wurde.
    In der Luft war bestimmt kein Molekül Sauerstoff mehr zu finden.



    Auch eine Lösung für eine Erbauseinandersetzung :-)


    Schließlich standen wir vor dem Restaurant. 
    Ein schöner Hof, das Haus noch aus der Kolonialzeit. Es war sehr gut besucht. Schnell hatten wir die Karte, schnell hatten wir das Essen und schnell war auch der Geschmack....ohne langen Eindruck. 
    Der Schweiß lief uns in kleinen Rinnsalen den Rücken runter. Thomas hatte einen roten Kopf und ich "rote Laune". 
    Umtost vom Vespalärm und Gestank stolperten wir Gehwege Richtung Hotel entlang. 
    "Ich brauch noch ein Bier zur Betäubung", jammerte ich.
    "Da steht was von Tiger-Beer, da wird es was geben!" keuchte Thomas durch die dicke Luft. 
    Wir landeten in einem "Deutschen Bierlokal" in einer Nebenstraße. 
    Weit und breit war nichts anderes in Sicht und ich wollte keinen Stolperschritt mehr tun.
    Bedient wurden wir von Mädels im "Pseudo-Dirndl". 
    Um auf den üblichen Schallpegel zu kommen, ergänzte  brüllend-laute Musik den etwas abgemilderten Vespalärm der Nebenstraße. So war dann alles wieder im Lot... 
    Aus dem Nebengeschäft kam ein kleines Mädchen im rosa Kleidchen (ca 4 Jahre) und guckte mich groß an. Ich lächelte zurück und versuchte eine kleine Zeichenkommunikation.
    Kaum hatte ich mich versehen, saß sie auf meinem Schoß, hielt mir ihr iPhone vor die Nase, ich sah nix mehr. 
    Dann fummelte sie mir im Gesicht herum und hörte damit nicht mehr auf....mit gefühlten 20 Fingern war sie zu Gange.....Nein, ich mochte nicht mehr.....sie ging einfach nicht....ein deutscher, bestimmend klingender Wortschwall brachte sie dann ein klein Wenig auf Distanz. Aber nur wirklich nur ein klein Wenig..
    Nach einem weiteren Bier, die sind hier klein, machten wir uns auf den Weg und verschwanden im Vespagewühl Richtung Hotel.....
    Nein Saigon, ich glaube, du wirst nicht meine große Liebe..

    Kilometerrauschen 21.10.2014, 05.54| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 16: Abschied von Hoi An


    Der letzte Tag in Hoi An. 
    Wir trödelten nur noch durch den Tag. 
    Unternahmen eine kleine Bootsfahrt auf dem Fluss, gingen am Abend noch einmal schön Essen und wären gerne noch geblieben….
    Aber am nächsten Tag ging unser Flugzeug nach Saigon. 
    Nun galt es diverse Seidenschals, Hemden, Kleider, Laternen, Kochutensilien und ganz viel schöne Erinnerungen in den Koffer zu stopfen. Sitzt passt wackelt und hat sogar noch ein bisschen Luft.  


      



     



    Ein wunderschönes Teehaus


    Der passte leider nicht mehr in den Koffer

    Kilometerrauschen 21.10.2014, 03.43| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 16: Kochschule

    An diesem Tag stand ein Kochkurs auf dem Programm. 
    Puh! Eigentlich hatte ich nicht so richtig Lust, aber schaun wir mal...

    Pünktlich um 8 Uhr mussten wir uns in einem Café im Ort einfinden. 
    Wir waren eine Gruppe von 8 Teilnehmern. 
    Mit einem kleinen Bus fuhren wir durch die grüne Landschaft in ein Dorf, dass sich auf Bio-Anbau von Gemüse und Kräutern spezialisiert hat. 
    Wir stiegen aus und der Kochlehrer lief vorweg und rupfte an diesem Strauch ein Blatt ab und an jenem Strauch. Die hielt er sich und uns unter die Nase und erzählte etwas über die Aromen und die Verwendung der Kräuter. 
    Das Dorf lag direkt am Fluss und ich wurde nie fertig mit gucken.  



    Mir ging alles zu schnell und hektisch. Ich bin untauglich für Reisegruppen schien mir mal wieder. 
    Der Kochlehrer fand sich auch ungeheuer lustig und machte mit Vorliebe schlüpfrige Witze. Ein Kraut ist für alles und gegen alles gewachsen. 
    Dann besuchten wir gemeinsam den Markt für den Einkauf. 








    Auch hier leider zu wenig Zeit, bzw die Gruppe war für diesen Punkt der Unternehmung zu groß. Es war voll und drängelich und laut, sodass ich fast nichts verstehen konnte. 
    Aber an dem Stand mit leckeren in Pfannkuchenteig gebackenen Bananen und Süßkartoffeln, war ich sofort zur Stelle. War das lecker !!! 
    Wir waren während unseres Aufenthaltes auch nicht zum letzten Mal an diesem Stand. 
    Nachdem alles weggefuttert und eingekauft war, fuhren wir in die Kochschule.
    Das war der Hit: In einem wundervollen Garten mit Pool und Liegestühlen, stand eine offene Küche unter einem großen Dach. 






    Alles war schon vorbereitet und die lange Tafel fein gedeckt. Um uns herum Palmen, Bananenstauden, der Fluss und Reisfelder. Einfach herrlich.
    Nun ging es ans Schnippeln, Braten, Stampfen und Grillen.
    Wir brutzelten:
    -Hanoier Nudelsuppe mit Beef und selbstgemachten Reisnudeln ,  
    -Shrimps in Bananenblättern, 
    -Marinierten Fisch im Tontopf, 
    -Gegrilltes Hühnchen mit Bananenblütensalat 
    und zum Dessert die herrlichsten Früchte.

    Dazu Wein, Bier und Wasser soviel man wollte. 

    Das Essen war ein Genuss !!!! Und Spaß hat es auch gemacht. Nur wie gesagt, der "Oberspaßmacherkoch" ging mir etwas auf den Keks....und nicht nur mir.

    Wir waren nach der Aktion dermaßen vollgefuttert, dass das kleine Boot, das uns abgeholt hat und mit dem wir den Fluß entlang zurück nach Hoi An geschippert wurden, verdächtig tief im Wasser lag. 

    Wir haben an dem Tag jedenfalls nichts mehr essen können.

    Kilometerrauschen 19.10.2014, 17.06| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 15: Siesta in Hoi An










    In diesem Ort geht alles sehr gemächlich zu. Einen Gang runterschalten war jetzt genau nach unserem Geschmack und meine Bedenken, dass es furchtbar überlaufen ist, erfüllten sich nicht.
    Es war noch Regenzeit und daher Nebensaison. Der kleine Ort liegt direkt am Fluß und hat des öfteren mit Hochwasser zu tun. Mich hat der Ort an Venedig erinnert. Hoi An ist bekannt für seine Seidenlaternen, die an den Häusern und Bäumen hängen und abends in den schönsten Farben leuchten. 
    In diese wunderschönen Laternen habe ich mich regelrecht verliebt. Vier davon mussten mit und wenn der Koffer kracht...
    Die Tage verbrachten wir überwiegend damit, einfach durch die Gassen zu schlendern, am Abend am Ufer des Flusses zu sitzen und die glitzernden Laternen zu bewundern und in sehr guten Restaurants die tolle vietnamesische Küche zu genießen. Ferien pur.


     
    Thomas wollte sich in der Schneiderei, die uns unser Reiseleiter empfohlen hatte, Hemden auf Maß schneidern lassen.
    Auf dem Weg in die Schneiderei kamen wir an der Markthalle vorbei.
    Im vorderen Teil waren viele Garküchen und Essensstände. Alle waren gut besucht, denn es war Mittagszeit. Es war laut und quirlig. Wir schlängelten uns an den Ständen mit Alutischen und Plastikhockern vorbei in den hinteren Teil. Hier war es ungewöhnlich ruhig. Die Stände schienen nicht besetzt zu sein. Ich ging an dem ersten Stand ohne Verkäufer vorbei. Ohne irgendeine Vorwarnung schoß eine leicht verstrubbelte Frau hinter dem Ladentisch hervor: “Madame, beautiful fresh Papaya!!“ rief sie mir entgegen. Ich erschrak fürchterlich. „Guck mal,es ist Mittagszeit und alle halten ein Nickerchen!“ staunte Thomas. 
    Fast alle Verkäufer lagen auf dem Boden, auf Kisten, auf zusammengestellten Stühlen, oder schliefen einfach im Sitzen. 
    Anscheinend im Tiefschlaf.


    Aber kaum kam ich in die Nähe, sprangen sie aus verborgenen Winkeln, wie aus dem Boden gestampft auf, und boten uns ihre Ware an. 
    „Sag mal, bist du ganz sicher, dass ich keinen Gong auf dem Kopf habe?“ fragte ich meinen Angetrauten hinter mir. Anders konnte ich mir nicht vorstellen, wie die Schlafenden überhaupt bemerkten, dass sich eine Langnase durch die Gänge schlich.
    Es soll nicht respektlos klingen, aber ich war an den Jahrmarkt erinnert. Wie bei den Schießbuden tauchten die Köpfe völlig überraschend aus dem Nichts hinter dem Verkaufstisch auf und tauchten genauso schnell wieder ab. 
    Plopp auf: “Madame, beautiful knifes very cheap!“ plopp wieder weg. 
    Schnell verließen wir die Markthalle, es war peinlich den verdienten Mittagsschlaf zu stören und einfach nur zu gaffen, ohne was kaufen zu wollen.

    Wir gingen weiter zur Schneiderei und Thomas ließ sich Maß nehmen und suchte sich Stoff für seine Hemden aus. In zwei Tagen sollten die erste Anprobe sein. 
    Wieder auf der Straße erwischte uns ein dicker tropischer Regenguss. 
    Wir setzten uns in ein kleines Lokal und beobachteten den dicken Wasservorhang und den wunderschönen Hund im Laden gegenüber.







    Kilometerrauschen 19.10.2014, 10.38| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 14: Über den Wolkenpass nach Hoi An

    Um 9 Uhr wurden wir von unserem vietnamesischen Reiseleiter in Empfang genommen.  
    Er sprach gut Deutsch, da er 6 Jahre in München gelebt hatte. Wie gewohnt wartete das dicke Auto auf uns.
    Immer wieder ein seltsames Gefühl, hier in so eine Luxuskutsche zu steigen. 

    80% der Bevölkerung leben in Armut. Das ist sehr deutlich zu erkennen. 
    Daneben existiert protziger Reichtum und der wird deutlich gezeigt. 
    In Hanoi sahen wir zu meiner großen Verwunderung einen Rolls Royce mit Goldeinfassungen. Alles was sonst Chrom an einem Auto ist war dort Gold. 3m daneben stand eine Frau mit Ziehkarren und sammelte alte, verbeulte  Dunstabzugshauben und anderen Metallschrott ein. Ohne Handschuhe und nur mit Plastiksandalen sortierte sie die scharfkantigen Teile. 
    Die Kluft zwischen arm und reich wird in rasantem Tempo immer größer und sorgt zunehmend für Unmut, obwohl Sozialneid hier eigentlich unbekannt ist, wie uns gesagt wurde. 
    Diese krassen Gegensätze begegnen einem auf Schritt und Tritt. Auf der einen Seite alles topmodern und daneben ein Leben wie vor hundert Jahren. 
    Vietnam ist ein Land in einem rasanten Wandel. 





    All das und mehr ging mir durch den Kopf, als ich in der klimatisierten Luxuskutsche durch die Stadt fuhr.
    Baustelle an Baustelle. "Vietnam bereitet sich auf eine schnell wachsende Anzahl an Privatautos vor," erklärte uns der Reiseleiter. In den 90er Jahren waren Autos selbst in Hanoi eine Seltenheit. Statt Vespas fuhr man auf Fahrrädern. 
    Das ist alles noch nicht lange her...Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie das alles funktionieren soll, wenn sich die Vespas in Autos verwandeln. Autos sind hier extrem teuer, aber man rechnet damit, dass sich in den nächsten Jahren die Zahl der Privatwagen drastisch erhöhen wird. 
     
    Wir bogen von der Hauptstrecke ab auf eine kleine einspurige Landstrasse. 
    Grüne Reisfelder, Wasserbüffel, Reiher, Wasser überall, üppige Vegetation, dunstiges Licht.  


    Eine tolle Fahrt und endlich sahen wir auch etwas von der beeindruckenden Landschaft. Nur eine Kostprobe. Die genauere Erkundung steht auf einem nächsten Reiseplan :-) 
    Schließlich kamen wir in die Berge. Leider war es sehr dunstig, das schaffte zwar eine tolle Stimmung nur der Weitblick fehlte etwas. Das Meer verschwamm mit dem Himmel in einem milchigen Hellblau.


    Auf dem Wolkenpass machten wir Pause und stapften etwas durch die junge Vegetation. 




    Hier verlief die Grenze zwischen Nord-und Südvietnam und die Amerikaner hatten die Wälder in den Bergen mit Benzinbomben in Brand gesetzt, damit sich die Vietcong nicht verstecken konnten.
    Erst vor 10 Jahren wurde mit der systematischen Aufforstung begonnen. 
    Jenseits des Passes fuhren wir am Meer entlang Richtung DaNang. 
    Ferienresort an Ferienresort reihte sich den Strand entlang. Riesige Bereiche waren eingezäunt. Bauschilder zeigten was hier alles entstehen soll. 
    Alle großen Hotelketten, hatten schon ihr Terrain abgesteckt. DaNang ist ein beliebtes Reiseziel für Vietnamesen. 
    Alles erinnerte mich  an die spanische Mittelmeerküste vor 40 Jahren.
    Hoi An war nicht mehr weit und das Bild änderte sich nicht wesentlich. 
    Mir kamen Zweifel, ob es richtig gewesen war, hier so eine lange Aufenthaltszeit gebucht zu haben. 
    Auch Thomas guckt irritiert aus dem Fenster. "Das ist hier eine Mischung aus Ballermann, Salou und Südstaatenküste in den USA", meinte auch er zweifelnd.

    Wir erreichten die Altstadt von Hoi An. 
    Alles ist Fußgängerzone. Hübsche Häuser, alle rausgeputzt und ein Seidenladen neben dem anderen. Restaurants, Bars, alles sehr hübsch, aber ich dachte an Mickey Mause und Disneyland. 
    Die ersten Tempel wurden besichtigt und dann gingen wir mit dem Reiseleiter zum Essen. 


    Ein sehr gelassener Tempelhund

    Es war ein schönes Restaurant mit Garten. Das Essen war gut und die frischen Säfte (Passionsfruchtsaft) ausgesprochen lecker. 
    Anschließend zeigte der Reiseleiter uns noch eine Schneiderei, die gute Qualität bietet, zwar etwas teurer ist, aber auf gute Arbeitsbedingungen achtet und vernünftige Löhne zahlt. 
    Dann brachte er uns zu unserem Hotel. 
    Da verschlug es uns erst einmal die Sprache. Es war ein Neubau, ganz im vietnamesischen Stil eingerichtet. 
    In der Lobby hingen bunten Seidenlaternen. Ein traumhafter Garten mit tropischen  Pflanzen und einem schönen Pool schloss sich an. 
    Ein Traum, für uns völlig unerwartet. 
    Auch unser Zimmer war eine Wucht. 
    Wir hatten Fenster übereck, bis zum Boden verglast. 
    So guckten wir im 5. Stock über die Reisfelder, auf denen Wasserbüffel grasten, oder was die da so machen. Immer von weißen Reihern begleitet. 
    Das Bett und das Bad waren mit Rosenblättern dekoriert.  Aus der verglasten Dusche konnte man in die tolle Landschaft gucken. 
    "Hier will ich bleiben!" rief ich und das blieben wir dann auch für 5 Nächte.

    Kilometerrauschen 18.10.2014, 17.28| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 13: Hue Besichtigungstag

    In der ehemaligen Kaiserstadt Hue gibt es zahlreiche kulturelle Sehenswürdigkeiten, die weit voneinander entfernt liegen. Da Touristen in Vietnam kein Leihwagen mieten können, hatten wir schon in Deutschland über das online-Reisebüro eine Besichtigungstour gebucht.
    Um 8 Uhr sollte es losgehen. Ich stellte mich auf eine große Reisegruppe ein. 
    Als wir in die große Hotelhalle kamen, wuselte es von Australiern, Amerikanern, Chinesen und sehr lauten Franzosen. Ich sah mich schon hinter einer weißen Fahne herlaufen, Bus rein, Bus raus, rein in Tempel, raus aus dem Tempel.
    Da kam eine zierliche Vietnamesin auf uns zu:
    "Are you Thomas and Andrea ?"
    Wie sich herausstellte war sie unsere private Reiseführerin. Das klimatisierte Auto mit Fahrer wartete bereits vor dem Hotel.
    Wie Graf Cox persönlich, zogen wir an der Menschenschar in der Hotelhalle vorbei, die Türen wurden aufgerissen und uns wurde mit einer Verbeugung ein "Have a nice Trip!"  gewünscht. 
    Der Fahrer stieg aus dem Minivan und öffnete die Türen. Wir setzten uns auf die Ledersitze. Vor uns im Flaschenhalter standen schon Flaschen mit Mineralwasser. 
    Thomas lachte: "Nichts mit Reisegruppe! Das nenne ich mal Luxus!"
    " Ja, super! Nur eine Flussfahrt ist auch gebucht und das wird sicher so eine riesige Verkaufsveranstaltung mit  Folklore und quietschiger vietnamesischer Volksmusik," meinte ich, denn ich hatte die vielen riesigen Tourischiffe mit kitschigen Drachenköpfen und Lautsprecheranlage schon am Ufer warten sehen. 
    Unser Van hielt an einem kleinen Anleger. Ein ganz kleines, etwas schaukeliges Boot, mit einer alten Frau und einem Mann als Schiffsführer legte an. 


    Unsere Reiseleiterin stieg aus, begrüßte die Frau und wir kletterten auf das Boot. Ganz für uns allein. Ich konnte es nicht fassen. 




    So glitten wir den diesigen Fluss entlang, bis zum Anleger der Thien Mu Pagode. Der Fluss heißt Parfümfluss, da an seinem Ufer wundervoll riechende Blumen wachsen. Wir stiegen aus und wirklich, ein herrlicher Blütenduft stieg uns in die Nase. Kleine Fischerboote tuckerten vorbei. Wir kamen durch einen schönen Park und da stand die Pagode,  im schönsten Sonnenschein. 
    Allein mit unserer netten Reiseführerin zogen wir durch das weitläufige Gelände.
    Sie erklärte uns alles und wir konnten überall so lange bleiben wie wir wollten.
    Nachdem wir alles gesehen hatte, gingen wir zurück zum Ausgangspunkt und da stand schon unser klimatisierte Van und so ging es weiter zur Zitadelle und von Tempel zu Tempel, zur verbotenen Stadt, zur Sommerresidenz des letzten Kaisers usw. 
    Jedes Mal stand der Van schon am Ausgang und holte uns wieder ab.






    Mittags gab es ein Essen in einem schattigen Gartenrestaurant und dann fuhren wir zu den Königsgräbern. 125 Stufen mussten wir bei knalliger Sonne und tropischen Temperaturen erklimmen. 
    Mir wurde leicht duselig in der Birne. Auch unserer Reiseleiterin lief der Schweiß in dezenten Tröpfchen die Stirn herunter.  
    Den Abschluss der Tour bildete dann ein gemeinsamer Marktbesuch. 



    Um 15 Uhr waren wir völlig erledigt aber hochzufrieden wieder im Hotel. 
    Wir beschlossen, heute keinen Schritt mehr in den tropischen Tag zu machen und genossen ein Nickerchen und die Hotelterrasse im 11. Stock. 
    So hatten wir diesmal nicht viel von der Stadt gesehen, was wir etwas bedauern, aber dafür jede Menge kulturelle Stätten mit großartiger Begleitung. 

    Am nächsten Tag sollte es weiter über den Wolkenpass nach Hoi An gehen. 
    Für diese Tour war eigentlich eine Zugfahrt vorgesehen. 
    Unser deutsche Begleiter in Hanoi hatte uns aber geraten, lieber mit einem privaten Fahrer über den Pass zu fahren. Wir würden sehr viel mehr sehen und könnten überall anhalten wo wir wollen. 
    Über ihn konnten wir die Fahrt buchen und ließen das Bahnticket (ca 3 Euro) verfallen. 

    Kilometerrauschen 17.10.2014, 02.25| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam12: Bombay oder was?und Irrweg zum Restaurant

    Der Flug nach Hue war ein Klacks. Gerade mal eine Stunde. 
    Wir hatten uns für einen Flug entschieden, da die Bahnfahrt nur Nachts geht und man sowieso nichts von der Landschaft sehen kann. 
    So war alles sehr komfortabel und schnell. 

    In Hue, der alten Kaiserstadt und ehemaligen Hauptstadt, nahmen wir uns ein Taxi und fuhren ins Hotel. 
    Ich sah gespannt aus dem Fenster, während sich das Taxi seinen Weg bahnte. 
    "Ich glaube, der Pilot hat sich verflogen, wir sind aus versehen in Bombay gelandet," bemerkte ich etwas irritiert. 
    Sehr ärmliche Häuser, viel Dreck, Haufen von Baumaterial, dazwischen Hühner und Plastikmüll. Nicht gerade einladend.
    Jedenfalls auf den ersten schnellen Blick. 
    "Guck mal, da sind zwei Mücken im Auto," sagte Thomas. 
    Flugs ließ ich die Ärmel meiner mückensicheren Bluse runter. 
    Sicher ist sicher, da bin ich pinselig. Ich fixierte die beiden Flugtiere intensiv. Irgendwie fügten sie sich harmonisch in das Bild, das draußen vor dem Fenster ablief. Thomas blieb völlig gelassen.

    Wir hielten vor einem riesigen Hotel. 
    Sofort wurden die Türen aufgerissen, die Koffer aus dem Taxi geladen und der Willkommenstrunk serviert. 
    Das Hotel hatte einen etwas pompösen Charme, der mich an die ehemalige DDR erinnerte. Braun und Gold waren die vorherrschenden Farbe. Dicke Polstermöbel, alles blank gewienert. Eine Mischung aus China und DDR.
    Unser Zimmer war riesig und sehr modern und komfortabel. Im 6.Stock hatten wir einen tollen Blick über die Stadt.
    Thomas wurde unruhig, er wollte an den Parfümfluss. Also liefen wir Richtung Fluss. 
    Vorher hatten wir vom Hotel ein Tisch in einem besonderen Restaurant buchen lassen. Wir waren uns einig, dass es sicherlich nicht einfach sein dürfte hier  ganz auf eigene Faust ein Restaurant zu finden. 
    Uns fehlte noch völlig das Gefühl für die Stadt und das Gefühl das wir hatten, war nicht so prickelnd.

    In einem sehr verwahrlosten Park am Flussufer, sprach uns ein junger Mann an, der sein Englisch testen und üben wollte. Er begleitete uns und erzählte einiges über die Stadt. Wir wollten zur Zitadelle, die auf der gegenüberliegenden Seite des seeeehr breiten Flusses liegt. 
    Und so liefen wir und liefen wir und liefen wir....eine gefühlte Ewigkeit auf der Brücke. 


    Es gab kaum Autos, nur Vespas und die im Massen. 
    Es war mal wieder sehr schwül und stickig. 
    Die Lauferei war jetzt nicht so meins und der Anblick der am Straßenrand stehenden Häuser erschien mir nicht wesentlich anders als auf dem Weg vom Flughafen. 
    Es wurde dunkel und etwas unheimlich. Der junge Mann wich nicht von unserer Seite.
    Als wir ihm sagten, dass wir ein Taxi anhalten wollen, um zu dem Restaurant zu fahren, guckte er zweifelnd: "No Taxi here, only in Hotel!"
    Er hatte recht, weit und breit kein Taxi in Sicht. Nur Dunkelheit und Vespas.
    Das bedeutete, den ganzen Weg zurück ins Hotel laufen und dort telefonisch ein Taxi bestellen. 
    Ich hatte bereits erwähnt, dass der Fluss seeeeehr breit ist und die Brücke seeeehr lang und meine Füße seeeeehr platt und meine Stirn seeehr schwitzig und meine Lungen seeeehr staubig.
    Es nützte nichts. ich tabbelte hinter den Männern her. 
    Kurz vor unserem Hotel kreuzte ein grünes Taxi unseren Weg....wild gestikulierend ruderte ich mit beiden Armen, was das Zeug hielt.....und er hielt.
    Wir zeigten die Adresse des Restaurants und er grübelte, überlegte und gab Gas. Wir fuhren und fuhren und fuhren.....schließlich bog er in einen ungeteerten Weg und ich hielt den Atem an; der Weg war so eng, dass eigentlich kein Auto  durchzupassen schien. Der Fahrer stieg aus und räumte alle Vespas und Fahrräder zur Seite. Nun konnte er sich ganz langsam mit dem Auto vortasten. Links und rechts hohe Hecken, dahinter ahnte man Gärten und Häuser.
    "Wir sind falsch, hier kann kein Restaurant sein. Der setzt uns hier irgendwo aus und will ein Lösegeld," ich sprühte wieder vor Optimismus. 
    Aber da tauchte plötzlich ein großes, hölzernes wunderschönes Tor auf. 
    Alles war mit Kerzen geschmückt und mit versteckten Lichtern in den Bäumen erleuchtet. Wunderschöne Frauen in den traditionellen Kleidern, "Ao Dai"  empfingen uns. Wir wurden durch einen riesigen Garten, in dem verstreut die Tische standen, geführt. 
    Dann zeigte die Schöne uns noch das alte Herrenhaus. Wir waren sprachlos. So schön, so romantisch und das völlig unerwartet.
    Wir bestellten das "Royal Dinner"....neun Gänge. 
    Serviert wurden uns neun Kunstwerke aus Gemüse: Drachen aus Karotten, Kraniche aus weißen Wurzeln und und und......ganze Landschaften in denen die Köstlichkeiten geschickt platziert waren.


    Da die Polstersessel so weich waren und die antiken Tische so hoch, konnte ich mir die Häppchen fast waagerecht in den Mund schieben. 
    Thomas Grinsen nach zu urteilen, fand er es recht lustig, wie seine Frau fast unter dem Tisch verschwand und gierig über die Tischkante lugte. 
    Fast hätte sie dann auch noch die Kunstwerke verspeist die, wie sich herausstellte ganz schnell, nachdem die Häppchen verspeist waren, wieder im Kühlschrank verschwanden.  Für den nächsten Gast mit Royal Menü. 
    Zum Abschluss des tollen Essens, kam die Gemüseschitzerin an unseren Tisch und zauberte aus einer Ingwerknolle, einem Stück Brokkoli und einer dicken Möhre eine Garnele mit Unterwasserlandschaft. 
    Mit einem winzigen und superscharfen Messer schnitzte sie in Windeseile die kleinen Kunstwerke. 
    Thomas fragte, wie oft sie sich denn in den Finger säbeln würde. 
    Sie lächelte erstaunt. "Never !"


    Als wir fertig waren, hatte das Personal das Taxi bereits gerufen und es wartete angenehm klimatisiert schon vor dem großen Tor auf uns. 
    Den gelungenen Abend beendeten wir mit einem Getränk auf der Terrasse der Hotelbar im 11. Stock. 
    Die Stadt glitzerte vor sich hin, die Brücke war bunt erleuchtet. Die Stadt tat ihr Bestes, um sich mit mir zu versöhnen. Spätestens am zweiten Tag konnte ich sagen: Sie hat es geschafft. 

    Kilometerrauschen 16.10.2014, 18.59| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 11: Tschüss Hanoi

    Nach dem Frühstück und einem weiteren Stop in einer Badebucht schipperten wir zurück in den Hafen und ab ging es nach Hanoi, wieder in unser Hotel. 
    Unsere Koffer warteten schon in unserem Zimmer. Da die Busfahrt extrem schaukelig gewesen war und wir in der letzten Reihe saßen, musste ich meine Magensäfte mit einem starken Tee ordnen. 
    Dann zogen wir wieder los in die Stadt und ließen uns an unserem letzten Tag einfach treiben. Natürlich musste noch das eine oder andere Teil käuflich erworben werden.



    Hanoi online
     
    Alle, die mich kennen wissen, dass kein Teeladen vor mir sicher ist und so war es natürlich auch in Hanoi. Tee steht hier nicht so an erster Stelle, wie in anderen asiatischen Ländern, aber einen sehr schönen Laden mit den bei uns so seltenen Yxing-Kännchen entdeckte ich trotzdem. 
    So wanderte dann ein altes Yxing-Kännchen mit diversen Schälchen in mein Gepäck. Da wir schon das zweite Mal dort waren, wurden wir herzlich empfangen und bekamen wieder einen schönen Oolong zur Stärkung.
    Auch bei schönen Seidenschals werde ich sofort schwach, hier zum Glück ohne gravierenden Folgen für das Portemonnaie und auch der Koffer verkraftet das eine oder andere Seidentuch. 
    Zum Abschied aßen wir noch einmal in unserem kleinen Restaurant, tranken ein Abschiedsbier in einer Straßenkneipe und dann hieß es wieder packen und Tschüss Hanoi. 



    Kilometerrauschen 16.10.2014, 18.44| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 10: Zwei auf kleinem Boot

    Der zweite Tag in der Ha Long Bucht. 
    Alles war auf die Minute getacktet und durchorganisiert. Um Punkt, aber wirklich Punkt 7 Uhr gab es Frühstück. Um 7:30 punktgenau wurde in einer Bucht angehalten und die Badefreudigen konnten ihren Körper in das für mich etwas zweifelhaft saubere Wasser tunken. 
    Da wir zwei Nächte gebucht hatten, kam für uns zwei Luxusgeschöpfe ein kleineres Boot, ohne Schlafkabinen, sondern nur mit einem Speiseraum und  beschattetem Sonnendeck mit Liegestühlen, angetuckert, um uns an Bord zu nehmen.  


    Am Abend sollten wir dann wieder auf das größere Schiff gebracht werden.

    Ich fläzte mich genüsslich auf einen Liegestuhl, etwas klapprig und ein paar Latten waren herausgebrochen, aber er funktionierte. Wir bekamen ein Begrüßungstrunk, wie hier allgemein üblich und ich grunzte nur noch behaglich vor mich hin. 


    Zu Zweit mit Kapitän und Reiseführer auf so einem netten Boot durch diese zauberhafte Landschaft gleiten... meine Güte, was gibt es Schöneres??
    Wir ankerten in einer Lagune, ein Kajak wurde mit einem kleinen Motorboot vorbeigebracht. Thomas bekam eine Schwimmweste samt Paddel und los ging es mit eigener Armeskraft.


    Ich zog es vor an Bord zu bleiben: erstens war ich stinkfaul und zweitens war mir die pralle Sonne auf der Birne, nach meiner Fischfütteraktion des letzten Abends, nicht geheuer. 
    Das Mittagessen wurde von unserem Reisebegleiter für uns gekocht. Es duftete herrlich und wie sich herausstellte, war er ein besserer Koch als der auf unserem "Mutterschiff". 
    Nur die Küche..??!!...das vergaß ich einfach ganz schnell...Das da auf dem Bild ist die Kombüse
           

    Bis zum Abend ging es so weiter. Inselchen an Inselchen, glitzerndes Wasser, Ruhe, kleine schwimmende Fischerdörfer.....knatternde Fischerboote und manchmal auch ganz schöner Dreck im Wasser, wenn man genauer hinsah. Ich guckte dann nicht mehr so genau hin und beschloss, nicht zu baden. 







    Kilometerrauschen 16.10.2014, 05.02| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 9: Ha Long Bucht

    Morgens um 7:30 wurden wir von einem kleinen Bus abgeholt, um 2 Nächte auf einer Dschunke in der Ha Long Bucht zu verbringen. 
    Wie wir auch schon in Deutschland feststellten geht jeder, aber wirklich jeder Tourist, der sich in Vietnam herumtreibt für mindestens eine Nacht auf eine Schiffstour in der Bucht. 
    Auch hier vor Ort trafen wir niemanden, der nicht in die Ha Long Bucht fahren wollte.
    "Wir können sicherlich trockenen Fußes von Inselchen zu Inselchen hüpfen. 
    Ob sich die Dschunken auch so geschmeidig umeinander herbewegen wie die Vespas? Ich habe keine Lust, eingekeilt zwischen zwei Schiffen im südchinesischen Meer zu verschwinden," meinte ich gewohnt optimistisch. 

    Die Fahrt dauert ca 4 Stunden. Dorf an Dorf zog an uns vorüber.  
    Überall Baustellen, fast wie in Karlsruhe, nur dass die hier nicht abgesperrt werden, sondern man hoppelt einfach zwischen den Baufahrzeugen durch. 
    Ein Land im Aufbruch.
    Plötzlich fuhr der Bus zwischen dicken Buddah- und Löwenskulpturen in einen kleinen Weg und hielt an einer großen Halle.
    "Ich habe es geahnt, wir machen eine Butterfahrt in die Ha Long Bucht und statt Rheumadecke klemmen wir uns so ein zentnerschweren Buddah unter den Arm," meinte ich und kletterte aus dem Bus.
    So war`s dann auch. Sofort kam ein Verkäufer angelaufen und begleitete uns durch die riesige Verkaufshalle und das weitläufige Gelände mit der Werkstatt usw. 
    "Die überschätzen unser Fluggepäck gewaltig," staunte ich. 
    Aber natürlich war alles perfekt organisiert und wir bekamen Formulare mit denen wir die Riesenfiguren bestellen konnten. 
    Sie würden dann nach soundsovielen Wochen auf dem Seeweg über Hamburg zu uns nach Hause geliefert und in den Garten unserer Villa gestellt werden. 
    Die ganzen Figuren gab es natürlich auch klitzeklein, aber das wirkt natürlich nicht so gut. 
    Endlich  ging es weiter und nach weiteren 1 1/2 Stunden kamen wir in der Ankunftshalle der Dschunken- Reederei an. 
    Freundliche Begrüßung, Willkommensdrink  und Warten auf die Einschiffung. Schließlich wurden wir aufgerufen. Es bildete sich eine Gruppe von 8 Touristen und wir wurden mit einem kleinen Beiboot zu unsere Dschunke gefahren. 


    Sie war sehr in die Jahre gekommen, aber das sehr charmant und stilvoll.
    Es gab einen schönen Speiseraum aus dunklem Holz mit weißen Stühlen, alle mit roten Schleifen geschmückt und schöne, schlichte chinesische Laternen dienten als Beleuchtung. 


    Auf dem Oberdeck standen Liegestühle bereit. 



    Unsere Kabine war klein, hatte ein großes Fenster und es war alles vorhanden, was der Mensch so braucht. Herrlich!!

    Ab jetzt wurden wir rund um die Uhr betüttelt und bekocht. 
    Alles war perfekt organisiert. Das mehrgängige Menü wurde in einer winzigen, offenen Küche im hinteren Teil zubereitet. 
    Bei dem Anblick kamen mir ein paar kleine Zweifel über Hitze, Lebensmittel, Sauberkeit und wo ist denn der Kühlschrank, in den Sinn. Aber nur ganz kurz.

    In sehr gemächlichem Tempo tuckerten wir durch die Halong Bucht. 
     

    Die ersten bizarren Felseninseln zeigten sich. Es war erstaunlich friedlich und nur  wenig Boote waren in Sicht. Meine Bedenke, dass Boot an Boot wie eine Karawane durch die Bucht zieht waren unbegründet. Außerdem war noch Nebensaison.  
    Die Landschaft war einmalig schön. Dass dieses Erlebnis viele haben wollen, ist nur zu verständlich. 
    Wir besichtigten eine große Höhle und dort knäuelten sich dann die Touris und es gab  "Stop and Go" auf den Treppen. 
    Mein Schädel begann zu brummen, die schwül-warme Luft tat mir offensichtlich nicht gut. 
    Zurück auf dem Schiff erlebten wir einen wundervollen Sonnenuntergang. 




    Leider gesellte sich zu meinem Brummschädel noch eine gepflegte Übelkeit und statt das Abendessen zu genießen, verzog ich mich in die Kabine und fütterte die Fische der Bucht. 




    Kilometerrauschen 15.10.2014, 03.59| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 8: Stadtführung und dicke Luft

    Allmählich erschloss sich uns die Funktionsweise des Straßenverkehrs. Das Geheimnis besteht darin, dass es hier kein "Ich" gibt sondern nur ein "Wir".
    Jeder achtet auf den Anderen und weicht geschmeidig aus, wenn es nötig ist. Keiner behauptet seinen Platz. Es wird gehupt wie irr, aber das bedeutet nicht weg da, sondern Vorsicht ich bin hier, nimm mich wahr!! So entsteht ein homogenes Fließen in asiatischer Gelassenheit. 

    Wir hatten das Glück, an unserem letzten Tag in Hanoi, einen in Vietnam lebenden Deutschen als Stadtführer zu haben. 
    Er ist beim Goetheinstitut angestellt und kennt sich natürlich bestens aus. 
    Wir unternahmen einen sehr informativen Stadtrundgang und er führte uns in Ecken der Altstadt und zu Sehenswürdigkeiten, die uns allein so schnell nicht aufgefallen wären. 
    Sehr anschaulich erklärte er uns den vietnamesischen Alltag und geschichtliche Hintergründe. Er zeigte uns Geschäfte, in denen man auf die Qualität vertrauen konnte und kleine Garküchen und Cafés und Suppenküchen, in denen man frische und gute Qualität bekommen konnte. Auf diese Weise bekamen wir dann einen richtig guten vietnamesischen Kaffee und erfuhren Hintergründe des Kaffeeanbaus und seines Exports. 
    Viele Informationen, auch über die Architektur der Tunnelhäuser, die ich gelesen hatte wurden so vertieft. Den Abschluss bildete dann ein Drink im 5. Stock eines Tunnelhauses, mit Blick über den See und die Stadt. 

          



    Nach dem umfangreichen Programm waren wir ganz schön geschafft. 
    Die Luft war extrem dick, der Smog machte das Atmen nicht gerade zu einem Vergnügen und urplötzlich verließ mich jede Gelassenheit und ich hätte die knatternden, mich ständig umkreisenden und stinkenden Vespas alle in die Tonne treten können. 
    "Scheiße! Ich will endlich einen Bürgersteig!" kreischte ich etwas unflätig und völlig unasiatisch, als ich versuchte mir auf dem Bürgersteig zwischen dampfenden Töpfen, zischenden Pfannen und lauter kleinen Plastikhockern einen Weg zu bahnen. Auch die tausenden Straßenhändler, die einen alle 3 Meter anquatschen und nicht von der Seite weichen, hätte ich am liebsten nur angefaucht, wusste aber was sich gehört und leierte ein dauerndes "No thank you..." vor mich hin. 
    Nein verdammt, ich will keine Haarspangen, keine Papayas, keine Postkarten, kein Armband und erst recht kein Fettgebackenes. Ich will Luft und Platz zum Laufen...einfach so...
    Mein Mann zog mich am Finger durch das Gewühl, aber auch er hatte im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll....Hilfe Luft !!!

    Um wieder in Stimmung zu kommen nahmen wir uns vor, zu Abend in einem stadtbekannten guten Restaurant zu essen. Es hat einen sehr ruhigen, tropisch anmutenden Hof und dort darf keine Vespa rein. Das war das entscheidende Kriterium. Wenig Gäste saßen an weit voneinander entfernten  Tischen.  Das Haus stammt aus der Kolonialzeit und war früher die Spanische Botschaft. Das Goetheinstut pflegt dort mit den Staatsgästen Essen zu gehen. An dem Abend fühlten wir uns auch total wichtig, denn nur so konnten wir die Laune wieder retten.  Wir bekamen einen wunderschönen Tisch, Kerzenschein und dezente Beleuchtung zauberten eine romanische Atmosphäre und pünktlich zum Dessert fiel mir eine köstlich duftende Frangipaniblüte auf den Kopf. 
    Na, wenn das kein Zeichen war. Das Essen war Klasse, das Ambiente wundervoll, aber wir mussten beide zugeben, dass das Essen in "unserer" kleinen Garküche uns noch besser geschmeckt hat. 


    Gut gesättigt und mit wiedergefundener Gelassenheit kämpften wir uns wieder durch das Straßenchaos und tranken noch ein Schlafbier in einer Straßenkneipe, bis unsere Lungen wieder das Hanoier Staublevel erreicht hatten und wir uns in das klimatisiertes Hotel verzogen. 

    Kilometerrauschen 14.10.2014, 16.26| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 7: Kaffee, Tempel und Jazzmusik

    Auch der nächste Tag war davon geprägt, sich einfach durch die Gassen treiben zu lassen. Es war nicht ganz so heiß, das machte alles leichter. Wir liefen quer durch die Stadt zu einem berühmten Café (Café Mai), das in einem Buch, das wir gelesen hatten, eine Rolle spielte. Auch der Reiseführer empfahl, dort einen vietnamesischen Kaffee zu trinken. 
    Auf der Kaffeetasse steht ein kleiner Alufilter, durch den der Kaffe langsam in die Tasse tropft. Dazu gibt man gesüßte, klebrig zähe Kondensmilch. Ich kenne sie aus meiner Kindheit als "Milchmädchen-Milch". 
    Der Kaffee ist sehr stark und schmeckte leicht nach Karamell. Thomas erinnerte er mehr an Tabak . 


    Nun ja, wie wir später bemerkten, gibt es sehr viel besseren Kaffee in anderen kleinen Kaffeestuben in den Straßen. 
    Ich halte mich bei dem Getränk aber etwas zurück, da ich in einen regelrechten Koffeeinrausch geriet und völlig aufgedreht durch die Vespas schlingerte. 
    "Die haben da was geheimnisvolles reingemixt," meinte ich und dachte an die langen Pfeifen, die die Männer so oft am Straßenrand rauchten. 
    Thomas grinste, hatte aber  auch ein gut durchblutetes Antlitz. 

    Zurück am Hoan Kiem See machten wir Pause in einem größeren Straßencafe im Park. Wir saßen unter schattigen Bäumen und machten nix, einfach nix... ein Bierchen und gucken....herrlich. 
    Dann gab es noch etwas Kultur im Jade-Berg Tempel, der auf einer Insel im See liegt. 
      

    Trotz der vielen Touristen herrschte eine völlig entspannte Atmosphäre. Die Räucherstäbchen dufteten, Kinder tanzten unter blühenden Bäumen (mit herrlich duftenden, weißen Blüten. Frangipani, wie ich später herausfand). 
    Ich ließ mir eine kleine Kalligraphie in mein Tagebuch malen. Zur großen Freude des Künstlers und der umstehenden Besucher. 
    Es wurde langsam dunkel. Langsam ?!?!? 
    Um 17:45 Uhr geht die Sonne unter und um 18 Uhr ist es stockfinstere Nacht. 

    Zu Abend aßen wir wieder in dem kleinen Restaurant vom Vorabend. Es war soooo gut!
    Genudelt satt und leicht bedudelt vom heimischen Bier, gingen wir Richtung Hotel. Es herrschte  so ein buntes, lebhaftes Treiben in den Straßen, dass es uns die Müdigkeit aus den Augen und Knochen trieb. 
    Zu unserem großen Glück, wie sich herausstellte. 
    Einige Gassen waren für den Verkehr gesperrt und die Menschenmassen zogen mit Kind und Kegel durch die Altstadt. Überall roch es nach Gewürzen und frisch gebratenen Fisch oder Fleisch. Alle saßen auf kleinen Plastikhockern, schwatzten, rauchten, tranken und genossen ihr Leben. 
    Wir hörten ein Saxofon. 
    Immer der Musik nach, standen wir schließlich in einem großen Kreis von Menschen, in dessen Mitte eine Jazzband spielte. So gut, dass wir mindestens eine Stunde dort standen und zuhörten. 
    Die Spielfreude und das Temperament der Bandmitglieder war ansteckend. Kleine Kinder tanzten in der Mitte um die Band herum, das Publikum jeden alters  klatschte und jubelte. 
    Die Stimmung war grandios. Die leicht verwitterten Häuser im Hintergrund, die wirren Elektroleitungen und die völlig entspannten Menschen gaben eine herrliche Hintergrund für die Musik.
    Ein wohl sehr bekannter Saxofon-Spieler kam plötzlich aus dem Publikum und spielte spontan und so perfekt, dass es nur ein Profi sein konnte. 


    Die Band begleitete ihn und das Ganze war ein musikalischer Genuss. So wie sich die Band bei dem Saxofon-Spieler  bedankte und das Publikum applaudierte und jubelte, musste es sich um einen bekannten Spieler der Stadt handeln.
    Um 23 Uhr war alles blitzartig zusammengeräumt und die Zuhörer verteilten sich in den Gassen.
    Heiter und beschwingt zogen wir zurück ins Hotel und schliefen wie die Steine. 

    Kilometerrauschen 13.10.2014, 06.25| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 6: Strassenleben und Schweißbremse

                      


    Ganz wie in den Tropen üblich, wird früh aufgestanden und früh ins Bett gegangen. Frühstück um 7 Uhr ist üblich, aber in einer Großstadt wie Hanoi haben sie sich auf die verpennten Langnasen eingestellt und so hätten wir bis 10 Uhr Frühstück bekommen können. Aber wir waren schließlich nicht  zum Schlafen hier, also standen wir schon früh wieder im Gewühl der Straßen. 
    Die schwüle Wärme, die Geräuschkulisse und das Gewusel in den engen Strassen katapultierten einen sofort wieder in die für uns so ungewohnte Welt. 

    So wie ein Kleinkind mit einem Stöckchen in der Faust plötzlich loslaufen kann, ergriff ich bei jeder Straßenüberquerung einen Finger meines Mannes, die ganze Hand wäre zu schwitzig gewesen, und ließ mich durch das Geknatter und Gehupe treiben. 
    Mein Adrenalinspiegel kommt hier so richtig in Schwung. 
    Gleich an der ersten kleinen Kreuzung blieben wir eingeklemmt zwischen Straßenhändlern, Garküchen und geparkten Vespas stehen und staunten einfach vor uns hin. 
    Ein Pulk von Motorrollern mischt sich mit dem Entgegenkommenden Pulk, irgendwie fließt irgendwann alles ineinander, umfließt quer laufende Frauen, die ihre Waren an den Körben ihrer Tragestangen gelassen durch Verkehr tragen. 
    Ich bin immer wieder an Ameisenstraßen erinnert, in die man ein Steinchen schmeißt und alles krabbelt drumherum ohne dass es einen Stau oder eine Karambolage gibt. Auch querfahrende Roller werden wunderbarer Weise nicht umgefahren, ja sie verursachen noch nicht einmal einen Knuddel, nichts gerät ins Stocken, es ist ein Fließen kreuz und quer, die einzigen Hindernisse sind Touristen, die sich nicht an den gleichmäßigen Strom anpassen, sondern irritiert, mit großen ängstlichen Augen versuchen, den Vespas auszuweichen oder sie vorbeizulassen. 
    Großer Fehler !!!! 
    Einfach zielstrebig losgehen, die Geschwindigkeit halten, nicht nach links oder rechts treten, auf keinen Fall stehen bleiben, einfach weitermachen, die können das schon...meistens jedenfalls. Denn es ist nicht zu leugnen, daß Vietnam mit großem Abstand die meisten Verkehrstoten der Welt hat. 
    Wir haben nicht eine Schramme, nicht eine Beule an den Autos oder Vespas sehen können, auch keinen einzigen Unfall. 
    Alle Fußgänger, die wir sahen, haben lebend und ohne Blessuren die andere Straßenseite erreicht. 
    Ich habe bei der Aktion einfach weggeguckt, bin nämlich ein Schisser, und ließ mich an Thomas Finger führen. So ein bisschen schwitzig fühlte der sich aber auch an....war aber sicher nur die Hitze. 
    Wir konnten es nicht lassen und machten diverse Filmchen mit dem iPhone. Die werde ich bei YouTube einstellen und verlinken, dann könnt ihr nachvollziehen wovon ich spreche. Das klappt aber sicher erst in heimatlichen Gefilden. 

    Wir kamen an einen großen Markt. Überall Garküchen auf der Straße. Das meiste findet auf dem Boden statt. Es roch köstlich, aber noch trauten wir uns nicht so recht ran. Aus Hongkong kannten wir Straßenstände mit brutzelnden und dampfenden Töpfen, aber dies hier war um einige Umdrehungen exotischer.....und dann das Klima. Wir beließen es erst einmal beim Staunen. 
    Ich hatte ja bereits erwähnt, dass es keine Bürgersteige gibt, da alles zugeparkt oder mit essenden, kochenden und gemütlich plaudernden Menschen zugebaut ist. Hat man sich dann am Straßenrand vom Verkehr  einsaugen lassen, ist man fortdauernd damit beschäftigt, Straßenhändler mit Früchten, Fächern, Gebäck, Haarspangen und sonstigem Touri-Bedarf abzuwimmeln. 
    Kein einfaches Unterfangen, da jeder versucht, wenigstens ein paar Dong zu ergattern. Möchte man sich dann eine Frucht kaufen, steht man vor dem nächsten Rätsel: Was ist der angemessene Preis? Ein sehr langes Gehandel geht los und ich fühle mich unbehaglich. Ich will niemanden übers Ohr hauen, aber auch nicht hemmungslos über den Tisch gezogen werden. Wir üben noch..
    So liefen wir durch die Gassen und gelangten zum Literaturtempel, der Oper, der großen Katholischen Kirche, die Notre Dammes nachempfunden ist. Alles zweifellos beeindruckend, aber mich hat das Treiben in den Straßen am meisten gefesselt. 
    Am Abend ließen wir uns dann ganz gegen unsere innere Überzeugung von einer Rikscha zum Hotel fahren. Ich gestehe, das war ein irres Erlebnis. Nun schwebten wir geradezu durch den Verkehrsfluss und waren Teil des Genzen. 
    Im Hotel ließen wir uns ein Restaurant empfehlen. Wir wollten endlich kein nobles Essen, sondern die ganz normale Vietnamesische Küche genießen. Wir bekamen einen Supertip gleich um die Ecke. Man ging erst durch die Küche, dann eine schmale Eisentreppe hoch bis in den 3. Stock und dort saßen wir in einem winzigen Raum. Was wir dann zum Essen bekamen, war überaus köstlich:
    -Schweinerippchen mit gerösteten Chili und Knoblauch
    -Garnelen in Tamarindensauce
    -Garnelen in Knoblauchsauce
    -frittierte Auberginen

    Zum Abschluss des Tages setzten wir uns in ein Straßenrestaurant und tranken bei 35 Grad ein "Schlafbier" und ließen das Hanoier Leben an uns vorbeiziehen. 

    Ziemlich müde und verschwitzt kamen wir im Hotel an. Unser Zimmer war angenehm klimatisiert und so ruhig, dass es in den Ohren summte.
    "Kannst Du mir mal helfen?" hörte ich Thomas gedämpft rufen. Häh! das klingt komisch, dachte ich und kam aus dem Bad. Da stand Thomas das Unterhemd mit der Innenseite nach außen über die Ohren gezogen und ruderte mit den gefesselten Armen über dem Kopf. " ch komme nicht weiter! Alles festgeklebt. Schweißbremse !!" Grölend vor Lachen half ich ihm aus der misslichen Lage. 

    Kilometerrauschen 11.10.2014, 15.26| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 5: Ankunft und ein tüchtiger Schuhputzer


    Aufgrund der absolut überwältigenden Flut von Eindrücken, gelingt es mir erst heute mit den Einträgen zu beginnen. Hier tanzt der Bär und ich war völlig platt. Nun werde ich mal versuchen diese vielfältigen Erlebnisse irgendwie wiederzugeben. Mal sehen, ob es klappt. Step by Step….

    Der Flug verlief völlig entspannt. Wir Glücklichen bekamen ein Upgrade und konnten 11 Stunden geschenkte Beinfreiheit genießen.
    Wir kamen am frühen Morgen um 5:40 Uhr in Hanoi an. Alles war in ein gelblich diesiges Licht getaucht.
    Die Einreiseformalitäten waren schnell erledigt und ein Taxifahrer mit unserem Namensschild nahm uns gleich in Empfang. 
    Der magische Moment: Die Tür des Flughafengebäudes öffnete sich und die feucht-heiße Luft, sofern man es als Luft bezeichnen mag, schlug uns entgegen. „Very hot“ lachte der Taxifahrer als er unsere Gesichter sah. Ja wirklich, very hot. Wie in einem heißen Dampfbad, nur gab es kein Fenster zum Lüften und keine Tür zum Rausgehen. 
    Nicht nur die Luft verschlug uns den Atem, sondern auch der spezielle Fahrstil der sehr zahlreichen Verkehrsteilnehmer. Alles wuselte durcheinander. 
    Links und rechts der breiten Autobahn zogen Reisfelder mit Wasserbüffeln an uns vorüber. In den Feldern arbeiteten Reisbauern, die sich gegen die Sonne mit Kegelhüten schützen.
    Klischee an Klischee.  
    Je näher wir der Stadt kamen, umso verrückter wurde der Verkehr. Es waren absolut keine Regeln zu erkennen. Der Fahrer hupte und drängelte sich durch 1000de Vespafahrer und hielt vor einem sehr schmalen Haus mitten im Gewühl der Altstadt. Unser Hotel!!
    Die Tür wurde aufgerissen und strahlend kamen uns die jungen Angestellten entgegen. 
    Sie deuteten auf weiche Polstersessel in der Lobby und wir ließen uns dankbar fallen. 
    Wir bekamen Tee und Bonbons und ein paar Tips für die nächsten Stunden. Unser Zimmer war nämlich noch nicht fertig, schließlich war es erst 7:30 Uhr. Nach der kleinen Stärkung verließen wir das Hotel und waren völlig überwältigt von dem unfassbaren Verkehr auf den kleinen, extrem engen Sträßchen. Viel hatte ich über die chaotischen Verkehrsverhältnisse gelesen, aber das kann man sich nicht vorstellen, das muß man erlebt haben. Einfach unbeschreiblich!!! 

    Es hupt ununterbrochen, die Vespas quäken und schieben sich aneinander vorbei. Bürgersteige gibt es nicht, denn die sind vollgeparkt mit Vespas und wo die nicht stehen, sitzen Menschen auf kleinen Plastikhockern, brutzeln Essen auf dem Gehsteig und essen in den improvisierten Garküchen. 

    Also musste man auf die Straße ausweichen und sich im Gänsemarsch durch die Vespas und Autos schlängeln. 
    Ich stand ratlos am Straßenrand. 
    Wir wollten zum Hoan Kim See. Das bedeutete mindestens 3 Strassen mussten überquert werden. Noch benebelt vom Flug, hackte ich mich bei Thomas ein und überließ mich seiner Führung. Ich war völlig überfordert. 
    Einfach los und durch war die Devise. Es hat geklappt. Wie durch ein Wunder flossen Vespas, Autos, Busse um uns herum und wir erreichten sicher das rettende Gegenüber. 
    Es war höllisch heiß. Laut Wetter-App gefühlte 45 Grad. Mir lief das Wasser einfach den Rücken runter. Die Beine steckten noch in den Kompressionsstrümpfen vom Flug und ich fühlte mich wie in einer Wurschtpelle. 
    Schwer lag die schwül-warme Luft über dem See. Männer saßen auf den Bänken. Einige saßen auf den üblichen kleinen Plastikhockern und tranken mitgebrachten Tee. Frauen machten gymnastische Morgenübungen. Wir ließen uns auf einer Bank nieder und betrachteten das Treiben. 
    So plötzlich in eine andere Welt geschmissen, braucht es seine Zeit alles zu realisieren. Ich war nur körperlich anwesend und begriff noch nicht so ganz wo ich eigentlich war.
    Da kam ein freundlicher Mann auf uns zu und zeigte immer auf meine Schuhe. 
    Ehe ich mich versah, hatte er mir die Schuhe ausgezogen und meine „kompressionsbestrumpften“ Füße in alte Plastiklatschen gesteckt.
    Er hielt meine Schuhe hoch und schüttelte den Kopf. Da waren abgeschrabte Stellen, dort löste sich leicht die Sohle. Wieder schüttelte er den Kopf, öffnete eine Dose Schuhputzcreme und begann die Schuhe einzufetten.
    „Die haben das ja schon nötig! Der ist ja richtig niedlich,kann ruhig mal meine Schuhe putzen. Das Geld braucht der sicher dringend“, meinte ich lachend.
    Da zog er eine Tube Kleber aus seine Plastiktüte und begann die Sohle an einigen Stellen  festzukleben. Er pustete, prüfte eingehend, trug erneut Kleber auf, legte den Kopf schief prüfte erneut das Ergebnis und pustete wieder. Es schien zufrieden. 
    „Nun habe ich ja fast neue Schuhe“, sagte ich. 
    Da hielt er mir seine eigenen Plastiklatschen vor die Nase und zeigte auf das Fersenteil. 
    Den Gesten konnte ich entnehmen, dass er die prima fand, mit meinen Absätzen jedoch nicht zufrieden war. 
    Ehe ich mich versah, holte er schwarze Gummiteile aus seiner Plastiktüte und begann an meinen weiß besohlten Schuhen herumzuwerkeln.
    „Heh, Moment mal, der macht da noch Absätze drunter!“, rief ich und überlegte wie ich den fleißigen Schuster bremsen könnte. 
    Zu spät!! Ein schwarzes Gummiteil, es war wohl ein Rest alter Autoreifen, klebten schon am linken Schuh. 
    „Das sieht sicher scheiße aus!“, meinte ich hilflos. 
    „Das geht auch ganz schnell wieder ab“, meinte Thomas mutmachend.
    Da klebte auch schon der zweite Gummilappen an meinem rechten Schuh. 
    Der freundliche Mensch schnippelte, feilte und prüfte seine Arbeit eingehend. 

    „Nun ja, dann habe ich eben zweifarbige Sohlen. Ganz extravagant“, lachte ich etwas bemüht.
    Mir entging nicht das wissende Grinsen der Passanten um mich herum. Auf das Ende der ganzen Aktion war ich selber gespannt.
    Da stülpte mir der freundliche Schuster wieder meine Schuhe über die,für die Hitze recht unpassend bestrumpften Füße.
    „Was geben wir dem denn dafür?“ frage ich meinen weltgewandten Ehemann. 
    Wir beratschlagten gemeinsam den angemessenen Preis. Bei den Nullen der Währung, der kleinste Betrag sind 20.000 Dong, verliert man leicht den Überblick. 
    Grübeln, rechnen, Nullen wegstreichen, den monatlichen Durchschnittsverdienst bedenken….
    Wir kamen auf einen Betrag von 60.000 Dong (3 Euro) als angemessenen Lohn und reichten ihm die Scheine. 
    „Ohhh noooo!!“,rief er entrüstet. 600.000 Dong wollte er haben (ca 30 Euro) und aus dem freundlichen Schuhputzer wurde ein hartnäckiger Schuhputzer. 
    Wir blieben hart, steckten ihm die 60.000 zu und zogen ab. 
    Er verfolgte uns fluchend. Die umstehenden lachten uns wissend an. 
    Ich hatte das Gefühl, dass wir es richtig gemacht hatten. 
    Später frage ich einen in Vietnam lebenden Deutschen und er gratulierte uns. 
    Wir hätten uns genau richtig verhalten und der Preis wäre angemessen gewesen. 
    Das hat mich sehr beruhig, denn ein mulmiges Gefühl, so blöd in die Falle getappt zu sein blieb zurück. Auf der anderen Seite sollte der Schuhputzer einen angemessenen Betrag für seine, wohlgemerkt ungefragt durchgeführte Arbeit, bekommen. Die erste Lektion hatten wir gelernt. 

    Den Rest des Vormittags verbrachten wir dann einfach damit, durch die Gassen zu ziehen und staunend das Treiben zu beobachten. Ich gebe zu, eine Pause legten wir bei Starbucks ein. Dafür schämten wir uns, aber wir brauchten nach den ersten Stunden eine Verschnaufpause. 
    Das blieb dann auch der einzige Ausrutscher. 
    Danach begaben wir uns ausschließlich in heimische Cafés und Restaurants. Nur der Schock der ersten Stunden musste etwas sacken und in der bekannten Atmosphäre und einer Klimaanlage runtergekühlt werden. 

      

    Kilometerrauschen 10.10.2014, 19.49| (2/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 4 :Die Zwei im Outdoor-Laden und andere Vorbereitungen


    Auf den Wetter-Apps wurde Hanoi als Favorit installiert.
    So konnten sich die Augen schon mal an die hohen Celsiuszahlen gewöhnen.
    Der sonst in Karlsruhe vorherrschende schwül-heiße Sommer blieb in diesem Jahr leider aus, sodass er nicht helfen konnte, den Kreislauf schon mal etwas auf das zu erwartenden Klima einzustimmen.
    "Schließlich haben die GI's hier immer für ihren Vietnameinsatz trainiert," pflegte T immer wieder zu betonen, um seinem angetrauten Angsthasen die Angst vor dem Klimaschock zu nehmen.
    Viel schlimmer als im Juli/August in den Südstaaten kann es auch nicht werden, erinnerte sich A und dachte an das 6 Wochen andauernde Dampfbad am Golf von Mexiko.
    Das hatte sie prima überlebt. Nun ja, da war sie aber noch seeehr viel jünger, relativierte sie innerlich ihren optimistischen Anfall.

    Die Reise rückte im Sauseschritt näher und näher.
    "Lass uns schon mal die nötigen Klamotten kaufen", meinte T eines schönen Nachmittags, "sonst sind die Sommersachen alle ausverkauft."
    "Ich brauche dringend einen Badeanzug,"stellte A schreckerfüllt fest.
    Grauenhaft, einfach grauenhaft.
    Das mache ich lieber ganz allein und inkognito. 
    Ich betrete auch nur einen einzigen Wäscheladen und der muss eine Bedienung haben, die gekonnt schmeichelhaft auf mich einredet und so tut, als ob ich die tollste Frau der Welt bin, beschloss sie.
    Das hat Zeit bis nächste Woche.

    So zog das Paar gemütlich in den angesagten Outdoor-Laden des Ortes, um nach geeigneter, tropentaugliche Kleidung Ausschau zu halten.
    Immer wieder sind sie begeistert von den vielen tollen und ganz furchtbar praktischen Sachen in diesen Läden: hübsche bunte Haken zum Klettern, Trinkflaschen in den tollsten Formen und Farben und sogar zum auf den Rücken schnallen mit langem Strohhalm, oder irgendwo zum Festklemmen, Taschenlampen für den Kopf, winzig-kleine, zusammenfaltbare Waschschüsseln, knatschbutes Plastikgeschirr, bei dem sich Tasse, Besteck und Schneidebrett ineinander verschachtelt in einem tiefen Teller unterbringen lassen.
    Federleicht das Ganze natürlich.
    Total toll sind die Kugelschreiber, die auch im Weltraum schreiben.
    Bin ich ja eher selten, dachte A , aber überkopf schreiben die auch...und unter Wasser....kommt ja auch nicht so oft vor. Sie blickte sich um
    Wo ist T ?
    Da sah sie ihn zwischen lauter ausgemergelten, hohlwangigen, braungebrannten und total sehnigen Mitkunden. 
    In der Umgebung wirkte er richtig gemütlich. Er untersuchte gerade ein total praktisches Taschenmesser.
    Sie wedelte mit einem Besteck: Löffel, Gabel und Messer, alles an einem Stück.
    "Das ist klasse, wenn mir die Stäbchen auf den Nerv gehen," rief sie in die sportliche Runde.
    Die Blicke sagten ihr, dass auch sie hier wohl etwas seltsam wirkt.
    Schließlich rissen sich die Gemütlichen von den praktischen Helferlein los und landeten in der Schlafsackabteilung. Vor winzigen kleinen federleichten Seidenschlafsäcken blieben sie hängen.
    "Zuverlässig schützend vor Bettwanzen, Moskitos und anderen Insekten."
    " So einen will ich!" rief A und freute sich schon den Dengue-und Malaria-Mücken ein Schnippchen zu schlagen.
    T prüfte eingehend das kleine Päckchen. Alles was klein und leicht ist, fasziniert ihn.
    "Macht einen guten Eindruck!" meinte er anerkennend.
    Der herbeigerufene Verkäufer lobte das Produkt in den höchsten Tönen und so wanderte das edle Teil zur Kasse.
    In der Kleiderabteilung entdeckte A dann noch einen schicken Hut mit Moskitonetz.
    "Guck, den nehme ich mit, dann lasse ich das Netz runter, schlüpfe in den seidenen Antimoskito-Schlafsack, binde am Hals fest zu und mache Sackhüpfen durch Hanoi. Da kann mir nix passieren.." schlug sie vor.
    Oder die rufen das Auto mit den weißen Jacken...ob die in Vietnam so was haben?
    Ganz vernünftig und ernsthaft wurden dann aber praktische Hosen und schnelltrocknende Blusen gekauft. Das Gepäck sollte klein und sehr übersichtlich bleiben: 3 Hosen, zu jeder Hose 3 Oberteile, Wäsche und "Rei in der Tube"
    Möglichst wenig mitnehmen und auf der Rückreise noch genügend Platz im Koffer haben....
    Zufrieden verließen sie den sportlichen Outdoor-Laden.

    "So ein bisschen fehl am Platz sind wir dort ja schon immer!" meinte A und dachte an ihre jugendlichen, drahtigen, hohlwangigen fahrradverrückten Nachbarn, mit strammen Waden, die sicher viel passender in dem Laden wirkten.
    Apropos Wade: die Kompressionsstrümpfe darf ich nicht vergessen, überlegte A und dacht an ihre Krampfadern.
    Noch  drei Wochen, der Countdown läuft....

    Kilometerrauschen 11.09.2014, 13.37| (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 3: Vorfreude oder was..?



    Nachdem alle Voucher korrigiert und das Visum ausgestellt war, trat etwas Ruhe ein. Sind ja noch 5 Monate !!
    A musste ihren Freundinnen von den Plänen erzählen. Geteilte Freude ist doppelte Freude.
    Die Reaktionen waren etwas einseitig:
    "Oh je, die essen da doch Hunde!"
    "Die Hitze, das könnte ich ja überhaupt nicht vertragen."
    "Zum Glück habe ich ja noch nie so ein Fernweh gehabt wie Du!"
    "Bei der hohen Luftfeuchtigkeit würde ich sofort einen Herzkasper kriegen."
    "Ach du meine Güte, der ganze Dreck, das wäre ja nichts für mich."
    "Na, da bin ich ja mal gespannt, was du berichtest. Man hört ja recht Widersprüchliches. Die Ha-Long Bucht soll ja auch nicht mehr so schön sein. Alles verdreckt!"
    "Ihr seid ja mutig!"
    "Geil !!! Super!!! Da beneide ich euch aber gewaltig!!!" das war Sohnemann.
    Oh wie gern hätte ich dich wieder dabei, dachte A und ein Tränchen wollte sich verschämt im Augenwinkel bilden.
    Die gemeinsamen Reisen durch die halbe Welt waren immer so toll gewesen und das war jetzt die erste größere Reise ohne den Junior.
    Der lebt jetzt in Berlin. Klar, so ist das Leben...schnief....ich blöde Kuh ! Alles ist ganz prima!!! Aber der fröhliche Kerl fehlt ihr irgendwie.
    Ich halte mich jetzt an das GEIL und SUPER und freu mich auf die Reise, ruft sich A zur Ordnung.
    Im Buchladen werden diverse Bücher über Vietnam erstanden: Krimis aus Hanoi, Romane und natürlich Reiseführer, die auf den Kulturschock vorbereiten sollen.
    Auch das Internet wird bemüht.
    A greift zum iPad und ruft YouTube auf.
    Ungläubig guckte sie auf das Gewühl von Vespas, Lastern, Fahrrädern und anderen Fortbewegungsmitteln, dazwischen schreitet eine Langnase völlig unbeirrt und zielgenau auf die andere Straßenseite.
    Wieso der nicht überfahren wird? Wie durch ein Wunder erreichte er das rettende Gegenüber.
    Gelesen hatte sie ja schon einiges darüber, aber das sah ja richtig krass aus.
    Sie schickte den Link ihrem Angetrauten, der im Nebenzimmer mit seine Computer beschäftigt war.
    Laut lachend rief er hinter dem Bildschirm hervor: "Bist du ganz sicher, dass du da hinfahren willst?" Er kannte seine eher ängstliche Frau.
    "Klar, ich klammere mich dann zitternd an der einzigen Ampel fest, die in Hanoi herumsteht. Da treffe ich auf viele Langnasen und gemeinsam sind wir stark. Oder ich laufe einfach immer um den Häuserblock....Auf alle Fälle mache ich aber mal einen Termin beim Anwalt aus, wir wollten doch schon lange unser Testament mache. Sicher ist sicher!"
    ....und die Patientenverfügung und eine Rücktransportversicherung und unseren Hundesitter werde ich bitten, dass er sich im Falle eines Falles um den Hund kümmert...und Sohnemann muss ich noch sagen, wo die wichtigsten Papiere zu finden sind, oh Schreck und meine Schränke sind ja so unordentlich....

    Kilometerrauschen 11.09.2014, 12.56| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 2: Das Spiel mit den Reisebausteinen

    Im Netz tummeln sich einige Reiseanbieter, die vorgefertigte Reisebausteine anbieten aus denen sich die Kunden eine ganz persönliche Reiseroute zusammenbauen können.

    Alles ganz locker, ganz frei und völlig unkompliziert: man bestimmt das Datum der Reise, sucht sich die Orte und Reiseroute aus und für die internationalen Flüge, die Hotelbuchung und inländische Bahn und Flugverbindungen sorgt das Onlinereisebüro.

    Das klingt super, freuten sich die Heidenreichs und stürzten sich in die erste Recherche. Wohin? wie lange? und wann?
    Schnell war klar, dass sie erst einmal einen ersten Eindruck vom Land bekommen möchten, bevor sie sich so richtig auf eigene Faust tiefer ins Land bewegen.
    "Lass uns erst einmal einen Überblick mit den üblichen Highlights verschaffen, dann kriegen wir ein Gefühl für das Land. Wirkt ja schon alles etwas komplizierter als Japan und Hong Kong."  meinte T.
    Schnell einigten sie sich über eine Rundreise (bei dem Land wohl eher eine Längsreise). Das Zeit-Budget beträgt ca 4 Wochen und am Schluss der Reise sollten noch ein paar Tage am Meer zum Faulenzen eingeplant werden.

    Aus den vielen hübschen, bunten Internetseiten diverser Reiseveranstalter suchten sie sich einen Anbieter aus, der als Vietnamexperte ausgewiesen war und T stellte den ersten Kontakt her.

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    Kilometerrauschen 10.09.2014, 22.31| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Vietnam 1: Wieso eigentlich Vietnam ?

    Eigentlich war ein Urlaub in der Bretagne geplant. Aus verschiedenen Gründen musste der Urlaub auf den Herbst vertagt werden. Bretagne im Herbst ??....nöööö....

    Also wurden die Urlaubspläne erst einmal in Schweigen gehüllt.

    Eines Abends saß A allein vor der Glotze und zappte sich durch das Programm. Bilder einer grünen Landschaft, ein holpriger Zug, exotisch anmutende Städteansichten stoppten den Finger auf der Fernbedienung. Vietnam!!
    Tolle Ferienberichte lieber Freunde verbanden sich in ihrem Hirn mit den bunten Bildern auf dem Bildschirm.

    Da will ich hin... Schnell machte sich A Notizen, um den Bericht in der Videothek wieder finden zu können. Schließlich muss der Ehemann motiviert werden. Asien war schon immer ein beliebtes Ziel der Familie.

    Allerdings wollte das Thema Urlaub in den nächsten Wochen zwischen den Angetrauten nicht so richtig Fuß fassen. A maulte mehr oder weniger laut vor sich hin, der Ehemann blieb gelassen.

    Wird schon..... waren die Signale.

    A, von Natur aus ein eher ungeduldiger Charakter, nörgelte und brummelte, hatte aber auch nicht so den Biss.

    Immer wieder entfleuchten ihr Vokabeln wie: Alter, Öde, kann doch nicht alles gewesen sein, oh damals... unsere schönen Reisen.... aus dem leicht verknitterten Schmollmund.

    Dann, auf dem sommerlichen Balkon beim Taörtchen-Essen, platzte der Knoten: "Eine schöne Reise wäre schon mal wieder was", sagte der Ehemann.

    A knallte begeistert die Kuchengabel auf den Teller: "Super Vietnam!! Ja, Scheiße!!! In die Bretagne können wir noch fahren, wenn wir richtig alt sind!!!"
    Damit schimmerte wieder ihr etwas pessimistisches Naturell durch die Euphorie....... das feuchte Klima ist für Rheumatiker sicher nicht so toll und Arthrose ist bei langen Besichtigungstouren eher hinderlich, von Herzstolpern mal ganz abgesehen und die ollen Zähne, ... na und dann die Krampfadern auf dem langen Flug.... Thrombosen... und ob man mit Alzheimer überhaupt noch fliegen darf und hat man dann noch was davon?...

    Das muss ja bedacht werden, dachte Frau ganz realistisch, wie sie meinte.
    Dazu sei angemerkt, dass sich das nicht mehr so ganz taufrische Ehepaar doch noch einigermaßen guter Gesundheit erfreut. Wie es zumindest den Anschein hat.

    Schnell schob sie sich noch ein Stückchen Erdbeerkuchen in den Mund, um die trüben Gedanken zu versüßen, wobei... ja mit Zuckerkrankheit auf Reisen ist es auch nicht so richtig komisch...

    Der Entschluss für Vietnam wurde gefasst und ein angenehmes Kribbeln der Vorfreude machte sich breit.

    Vietnam  auf eigene Faust, wie die Reiselustigen es sonst so machen, erschien irgendwie etwas bedrohlich.
    Obwohl, Asien-Erfahren sind sie ja schon etwas, aber Japan und Hongkong schienen eine leichtere Übung zu sein.
    Aber Reisegruppe?!! Niemals!!! Zu oft hatten sie auf ihren Reisen herumhetzende Mitglieder verschiedener Reisegruppen beobachtet, die mit hastig in die Luft gehaltenen Digitalkameras  brav einem roten Schirm,  einer weißen Fahne, einem an einem Stock befestigten Kuscheltier, oder schlicht einem Schild folgten.

    Die Uhr fest im Blick. 

    Nein, das war nichts für sie, eine Alternative musste her.

    Kilometerrauschen 10.09.2014, 17.44| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Vietnam 2014

    Neujahr in Hongkong



    Zum letzten Mal genoss ich den Sonnenaufgang über HongKong Island. Dann war Packen angesagt.
    Eine recht knifflige Angelegenheit. Tee, Teetisch, Tässchen, Bücher und all die Kleinigkeiten, die ich im Laufe der Zeit eingesackt hatte, mussten irgendwie mit. Den beiden Männern ging es nicht anders.
    Der Satz des Morgens: Passt bei Dir noch was rein?
    Sorgfältig wickelte ich meine Schmutzwäsche um zerbrechliche Kleinigkeiten.
    „Wenn die Zöllner meinen Koffer aufmachen, werden sie sich freuen“, hörte ich Steffen grinsend neben mir murmeln, während er mit leicht gerümpfter Nase ein T-Shirt um Reisschälchen wickelte. Ja, das ist ein netter Gedanke.
    Ich hoffe, dieses Erlebnis bleibt uns erspart.
    Mit Ach und Krach und großer Verteilaktion schafften wir alles unterzukriegen.
    Um 12 Uhr hatten wir es geschafft.
    Mit wehmütigem Blick lief ich noch einmal durch das wunderschöne Zimmer .
    Das Hotel war einfach ein Traum und dieser Blick…….
    Tür zu und ab.
    Unser Flug ging erst um 00:25 Uhr und so hatten wir noch den ganzen Tag vor uns.
    Es war sommerlich warm, auf der Uferpromenade herrschte entspanntes Treiben.
     
    Vor dem Museum war ein Bereich abgesperrt und eine Bühne aufgebaut.
    Auf dem Boden lagen riesige, quietschbunte und reich verzierte Drachen-und Löwenköpfe.
    Mir dämmerte es: Klar, Neujahr…Drachenparade. Da sahen wir auch das Plakat mit der Ankündigung einer Drachen- und Löwenparade durch Kowloon.
    Hatten wir ein Glück!! Wir waren gerade zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Wieso war uns das Plakat nicht vorher aufgefallen?
    Reizüberflutung war wohl der Grund.
    Mit großem Tamtam wurde die Parade eröffnet. Dann tanzten bunte Löwenkostüme über den Platz, zwinkerten, wackelten mit den Ohren und ihren dicken Köpfen.
    Es hat mich total begeistert, wie die Artisten in der Lage waren mit so wenigen Gesten derart intensive Gefühle zum Ausdruck zu bringen.
    Weitere riesige Drachen folgten. Sie tanzten im Kreis, spieen  Dampf und glitzerndes buntes Konfetti aus. Dazu wurde getrommelt, was das Zeug hielt.
    Ein endlos lang erscheinender Drache führte schließlich die Parade an. Wie Steffen im Internet herausfand, war es der längste Drache der Welt.
    Ich bin sicher, dieses Jahr haben bei mir die bösen Geister keine Chance.

    Nach diesem tollen Erlebnis fuhren wir ein letztes Mal mit der Fähre nach HongKong Island.
    Wir wollten zum Abschied noch einmal in dem Dai Pei Dong, unsere Lieblings-Garküche, essen.
    Leider war alles hochgeklappt und geschlossen. Klar, es war schließlich Neujahr und noch dazu Sonntag, aber hier verwischen sie die Wochentage, da die meisten Marktstände und Geschäfte auch Sonn- und Feiertags geöffnet haben.

    Ich hatte mich in die bunten, lustigen Löwen der Parade verliebt und mir in den Kopf gesetzt, so einen in Miniformat mitzunehmen.
    Quasi als verlängerter Arm der hiesigen Glücksdrachen. Die bösen Geister, die zuhause in den Ecken lauern, sollten schließlich auch das Fürchten kriegen.
    In einem kleinen Antiquitätengeschäft wurden wir fündig. Er ist nicht ganz mini aber der musste mit !!!!….Koffer hin Koffer her.
    Handbemalt, quietschbunt und nicht der übliche Touristenramsch.

    Wie es der Teufel, oder besser wohl unser neuer  Glückslöwe es wollte, führte uns der Weg an dem Teeladen mit der netten Verkäuferin vorbei.
    Steffen fiel ein, dass er noch einen Jasmintee mitnehmen wollte.
    Als wir den Laden betraten, lief die Verkäuferin uns freudig entgegen und bereitete uns sofort einen frischen Tee.
    Eine ganz besondere Sorte Schwarztee, der uns für unsere Reise ins kalte Deutschland wärmen sollte.
    Aus dieser kleinen Teerunde entwickelte sich ein regelrechtes Seminar über Chinesischen Tee und seine Zubereitung.
    Eine tolle Teesorte nach der anderen bereitete die Verkäufern mit Bewegungen zu, wie sie nur von Asiaten ausgeführt werden können.
    Dabei erklärte sie uns alles mit zarter, flüsternder Stimme.
    Zum Abschied wurden die E-Mail Adressen ausgetauscht und sich gegenseitig versprochen zu schreiben und sich irgendwo und irgendwann einmal wiederzusehen.

    Nun mussten wir zurück zur Fähre. Wir wollten am letzten Abend noch die Lightshow der Wolkenkratzer sehen.
    Jeden Abend um 20 Uhr wird eine Laser- und Lichtershow über dem Victoria Harbour zelebriert.
    Jedes Hochhaus rund um den Hafen  flackert und funkelt in unterschiedlichen Farben und Mustern, dazu leuchten Laserstrahlen von den Dächern. Alles synchron zur Musik aus den Lautsprechern.
    Ein herrlicher Kitsch und witziger Abschied von diesem beeindruckenden Panorama.

    Mit dem Taxi fuhren wir zum riesigen Flughafen von HongKong auf LanTau.
    Auch hier ist alles 10 Nummern größer als bei uns. Die Flughafenhalle ist fast 2 km lang. Unser Schalter war schnell gefunden.
    Nun folgte der spannende Moment: Die Koffer mussten auf die Waage.
    Steffen blinzelte heimlich auf die Anzeige der Waage…Übergewicht !!!
    Gelassen klebte der Angestellte von Cathay Pacific die Kleber auf die Koffer und sie verschwanden im Laufbandnirvana.
    Auch immer wieder spannend…Wiedersehen macht Freude..…
    Nun hatte ich nur noch mein Handgepäck und eine große Papiertüte mit diversem Teegeschirr und Löwenkopf. Lässig bemühte ich mich, die schwere Tüte locker hin und her zu schwenken...wiegt ja alles nichts….
    Die ganze Zeit hatte ich meine Männer schon damit genervt, dass ich befürchte, die Tüte nicht mit an Bord nehmen zu können.
    Um alles in Ruhe hinter uns zu bringen gingen wir schon mal durch die Kontrollen.
    Meine Sorgen waren völlig unbegründet, alles ging problemlos und völlig entspannt. Durchleuchtet und wohlbehalten kam Löwenkopf und Geschirr am Ende der Kontrollen wieder zum Vorschein. Auch die Stewardess, die uns am Eingang des Flugzeuges erwartet, lächelte freundlich und sah über die große Tüte hinweg. Anschnallen und los ging es. 13 Stunden Flugzeit.

    Auf Wiedersehen Hongkong!! Alle Drei beschlossen wir: Wir kommen wieder! Das Sparschwein wird sofort aufgestellt.



     

    Kilometerrauschen 06.01.2012, 17.31| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Silvester in Hongkong



    Von unserem Zimmer hatten wir einen guten Blick auf das Geschehen auf der Uferpromenade. So gegen 20 Uhr begann es sich deutlich zu füllen.
    Die Hochhäuser auf Hongkong Island funkelten schon vor sich hin, die Lasershow flackerte hin und wieder auf.
    Kurz vor neun Uhr machten wir uns auf den Weg. Alles war wieder sehr entspannt und hervorragend organisiert. Mit Menschenmassen wissen sie einfach umzugehen. Ganz nach vorn zum Glockenturm wollten wir auf keinen Fall. Ich bekomme in Menschenmengen leicht Platzangst.
    Wir fanden einen geeigneten Platz vor dem Intercontinental-Hotel. Freie Sicht auf die ganze Skyline. Es ging sehr entspannt zu.
    Auch heute gab es weder Alkohol noch Essensstände auf der Promenade. Es flogen einem keine Korken um die Ohren und es knisterten keine Scherben unter den Füßen. Keine Bratwurst des Nachbarn drohte einem in den Kragen zu fallen und kein Ketchup klebte am Mantel. Sehr angenehm.
    Die einzigen Besoffenen, die wir zu diesem Zeitpunkt erlebten, kamen auf einem  Boot vorbei. Grölende Langnasen wedelten mit Bierflaschen. Peinlich !!!!
    Und was das Wichtigste war, es gibt kein privates Feuerwerk und keine Böller. Herrlich !!!!

    Ich gestehe, der Gedanke drei Stunden auf einem Fleck zu stehen, um ein paar Minuten Feuerwerk zu sehen, war nicht so prickelnd.
    Aber wann ist man schon in Hongkong!! Also, trippelte ich hin und her, machte Fußgymnastik und freute mich über die tolle Sicht.
    Es war eng, aber nicht zu eng.  In der letzten Stunde wurden alle fünfzehn Minuten von den Dächern der Hochhäuser bunte Raketen abgefeuert. Alles jubelte. Um 23:30 Uhr wurde wohl ein weiteres Segment im Vorderen Bereich der Promenade geöffnet. Als ob der Stöpsel in der Badewanne gezogen wurde „flossen“ die Menschen vor uns weiter nach vorn und es wurde richtig luftig um uns herum. Die Sicht war dadurch von jedem Platz hervorragend, sodass es keinerlei Gedrängel und Geschubse gab. Auf dem Wasser tummelten sich große und kleine Boote und Fähren.
    Dann lief an dem IFC-Tower  der Countdown auf riesigen Leuchtziffern ab. Es folgte das berühmte Feuerwerk von allen Hochhäusern rund um den Victoria Harbour . Still, bunt und glitzernd. Alles jubelte und freute sich.
    Der Rückweg war dann etwas drängelnder, aber immer noch sehr weit entfernt, von dem was wir aus Paris oder Deutschland kennen.
    Wir liefen noch durch die sehr belebte Stadt und da zeigte sich, dass es heute doch etwas „fröhlicher“ zuging als Heilig Abend. Vor den Bars standen angetrunkene Gäste und es herrschte eine etwas hektischere Stimmung. Alle wollten wohl noch schnell irgendwohin und feiern.
    Das war unser letzter Abend in Hongkong.
    Nett, dass wir mit so einem schönen Feuerwerk verabschiedet wurden ☺
    Und ich schwöre, ich komme wieder…..

    Kilometerrauschen 01.01.2012, 04.36| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Vorletzter Tag



    ….morgen Nacht geht es zurück nach Karlsruhe. Mich plagt schon der Abschiedsschmerz.
    Heute bleiben wir in Kowloon, da wegen des Feuerwerks über der Skyline wieder mit einem Ausnahmezustand gerechnet werden muß. Die Straßensperren sind schon bereitgestellt. Ab 18 Uhr geht hier gar nichts mehr.
    So schlenderten wir gelassen durch die Gassen und Straßen von von Kowloon.
    Wie immer wuselte es von Menschen. Eigentlich herrscht hier Linksverkehr und auch die Fußgänger sollten sich danach richten. Kleine Pfeile machen auf die richtige Laufrichtung aufmerksam. Daran halten tut sich eigentlich keiner.
    Die Chinesen wurde mir vor unserer Reise als eher ruppig, unfreundlich und wenig hilfsbereit geschildert.
    Das kann ich in keiner Weise bestätigen.
    Wir erlebten hier in Hongkong und der näheren Umgebung genau das Gegenteil. Kaum guckten wir als ungelenke Langnasen irgendwie suchend oder verunsichert in der Gegend herum, wurden wir sofort gefragt ob wir Hilfe benötigen. Obwohl die Straßen für unser Verständnis ständig von Menschen überfüllt sind, wird nicht gerempelt oder geschupst. Wir fühlten uns die ganze Zeit sicher und als Touristen willkommen.
    Eine Ausnahme war das Luk Yu Teehaus. Aber wie mir gesagt wurde, ist es für den unfreundlichen Umgang mir Fremden berühmt und pflegt diesen Ruf mit großer Sorgfalt.
    Wir gingen noch in einen großen Buchladen (Thalia auf Chinesisch) in der Harbour Mall und erstanden ein Kochbuch und ein Buch über die Zubereitung Chinesischer Tees. Anschließend wollten wir noch einmal so richtig zuschlagen und Dim Sum bis zum Abwinken essen.
    Wir gingen wieder in das gleiche Restaurant in dem wir schon am ersten Tag gewesen waren. So schloss sich unser Kreis.
    Mir kam es vor, als wenn zwischen unseren beiden Besuchen mindestens drei Wochen liegen würden.
    Wir genossen die kleinen gedämpften Teigtäschchen, Hefebälle und Schlabber-Taschen bis zum Abwinken.



    Alle großen runden Tische um uns herum waren wieder mit großen Gruppen von Familien und Freunden besetzt. Alles war fröhlich am Essen und Feiern.

    Nun wollten wir noch auf das vierthöchste Haus der Welt, dem ICC Tower. Dort gibt es im 100. Stockwerk eine Aussichtsplatform.
    Mich beschlichen ungute Gefühle, als ich das Wort ICC Center vernahm…..die endlose Wanderung durch, um und über die Baustellen hing mir noch in den Fußknochen…
    Diesmal nahmen wir ein Taxi ☺
    Am Ticketschalter wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass die Sicht nicht besonders gut ist. Außerdem zeigten Kameras Bilder der Sicht vom 100. Stockwerk. Ein sehr netter Service, denn die Tickets sind nicht gerade billig. Umgerechnet 15 € pro Kopf.
    In China zählt man übrigens nicht „pro Kopf“ sondern „pro Mund“. Ein Zeichen für den hohen Stellenwert, den das Essen in der Bevölkerung hat.
    Dem schließe ich mich gerne an.
    In 60 Sekunden fuhr der Fahrstuhl uns nach oben. Die Sekunden wurden rückwärts gezählt und eine aufwendig gemachte Grafik zeigte, wo wir gerade sind. Auch wenn es etwas dunstig war, der Blick war phantastisch. Die ganze Etage ist als Aussichtsfläche konzipiert. Alles sehr großzügig und modern. Kein Gedrängel. Ganz in Ruhe konnte man die Aussicht rundherum genießen. Die Schiffe und Fähren waren winzig wie Spielzeugboote. Das Wasser glitzerte, die Wolkenkratzer wirkten wie aus Lego gebaut. Ich persönlich ziehe diesen Aussichtspunkt dem Peak vor. Könnte ich nur eins von beidem machen, würde ich ins ICC Center fahren, um Hongkong von oben zu genießen.
    Mit dem Taxi ☺ fuhren wir zurück ins Hotel, um noch einmal die Beine auszuschütteln, bevor wir auf der Promenade auf das Feuerwerk warten wollten.
     
     

    Kilometerrauschen 01.01.2012, 04.31| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Teetag



    Die Tage vergehen wie im Flüge. Nur noch knapp drei Tage und der Urlaub ist rum. Heute ließen wir es ganz ruhig angehen.
    Steffen ging auf Fototour und wir wollten ins Teehaus im Hongkong Park und ins Teemuseum.
    Das Teehaus war edel und fein mit Möbeln im alten chinesischen Stil eingerichtet.
    In beleuchteten Glasvitrinen standen teure Tonkännchen.
    Die Teekarte war eher enttäuschend: Nur sieben Sorten Tee.
    Insgesamt gefiel mir die Atmosphäre nicht so gut.
    Ein arroganter Oberkellner wies die Plätze zu, es war hektisch, laut und voll.
    Der Tee wurde im Gaiwan serviert und war sehr lecker, die Dim Sum waren auch nicht schlecht, aber wir hatten in den kleinen Straßenrestaurants schon bessere gegessen.
    Ich hatte gehofft, aus dem großen Teeangebot des angeschlossenen Ladens probieren zu können.  
    Auf Nachfrage wurde mir dann auch ein Tee aus ihrem Sortiment frisch zubereitet. Der war köstlich und wanderte in den Einkaufskorb.

    Gestärkt besuchten wir dann das Teemuseum. Eine kleine, nette Ausstellung mit allem, was zum Tee gehört.
    Kleine Filme zeigen die verschiedenen Zubereitungsweisen der Chinesischen Tees.

    Heute hatte ich mir vorgenommen, einen kleinen Teetisch, den ich vor Tagen in einem Teegeschäft entdeckt hatte, zu kaufen.
    Ich hatte dort schon ein Teeset, einen wunderschön handbemalten Gaiwan mit kleinen Tässchen erworben.
    Das junge Mädchen, das dort den Laden führt,  freute sich uns wiederzusehen.
    Gleich bereitete sie verschiedene Teesorten zu und wir konnten in Ruhe genießen.
    Ein Stuhl und ein Tee! Genau das konnten wir gerade gebrauchen.
    Uns wurde der Teetisch gebracht und wir konnten ihn genaustens in Augenschein nehmen. Sie hielt dabei, fast flüsternd, einen kleinen Vortrag über den richtigen Umgang mit dem edlen Teil.
    Die Wahl war schnell getroffen. Während wir unseren Tee genossen, entdeckte ich noch zwei kleine Teeschalen, die natürlich perfekt dazu passen würden.
    Ich konnte nicht widerstehen. Dazu erwarben wir noch Tee und kleine Mitbringsel.

    Voller Sorge betrachtet ich die kleine Verkäuferin. Sie konnte es kaum fassen, dass wir so viel einkauften und ich befürchtete schon, sie würde gleich ein Rad schlagen oder vor Dankbarkeit im Boden versinken.
    Sorgfältig packte sie alles ein und nun begann ich damit, mir Gedanken um unser Fluggepäck zu machen. Wir hatten nämlich vorher schon Dämpfeinsätze aus Bambus , Stäbchen und ein MahJong Spiel erstanden.
    Ungläubig bestaunte die Verkäuferin unsere Tüten und konnte kaum Glauben, dass wir chinesische Gerichte im Dämpftopf zubereiten, die dann mit Stäbchen essen und dazu eine Tasse Chinesischen Tee trinken, um anschließend MahJong zu spielen.
    Ich befürchte, ihre innere Ordnung war etwas aus dem Gleichgewicht geraten.
    Wenn sie dann noch gewußt hätte, wo wir am Abend in Hongkong zum Essen gehen, wäre alles zu spät gewesen.



     Wir gingen wieder zu einem  Straßenstand, einem typischen Dai Pei Dong, bei dem wir schon Tage vorher  toll gegessen hatten. Man sitzt auf der Straße auf wackeligen Plastikhockern, alles dampft und zischt, es ist rappelvoll und der Koch im durchgeschwitztem Hemd hantiert in Windeseile in den Woks herum.



    Es war wieder ganz köstlich.

    Kilometerrauschen 31.12.2011, 10.41| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Essen im 29.Stock



    Abends, wieder in Kowloon machten wir uns auf den Weg zu einem ganz besonderen Essen: Dem Geburtstagsessen für Thomas.
    Wir hatten in dem chinesischen Restaurant „Hutong“ im 29. Stock einen Tisch bestellt.
    Von dem Restaurant hat man einen unglaublichen Blick über Kowloon und Hongkong Island.
    Wie kann man schöner einen Geburtstag in Hongkong begehen!!!
    Das Licht in dem Restaurant ist extrem gedämpft und die Glasfassade wir durch nichts unterbrochen. So bekommt man das Gefühl mitten in den glitzernden Lichtern der Stadt zu schweben. Die Einrichtung des ganze Restaurants ist auf diesen phantastischen Blick ausgerichtet. Sie ist im alt chinesischen Stil gehalten, dezent und vornehm. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich ungezwungen.
    Die Kellner legen uns die Servietten auf den Schoß, stellen eine kleine Leckerei auf unseren Tisch und reichen uns die Speisekarten.
    Wir denken an unser Teehaus vom Nachmittag und staunen wieder über die extremen Gegensätze in diesem Land.
    Wir bestellen zunächst ein Glas Champagner und stoßen auf das neue Lebensjahr an.
    Champagner inmitten der Lichter von Hongkong, ein unglaublich prickliges Gefühl.
    Dann studieren wir im Schummerlicht die Speisekarte. Eine Köstlichkeit nach der anderen macht die Wahl schwer.
    Was dann aber schließlich auf den Schalen vor uns stand war einfach nur himmlisch: Muscheln mit Pomelostreifen, Lamm mit Sesamsalat, Schweinebauch mit Gurke, geräucherte Ente mit Teeblättern Sichuan Style, knusprige Lammrippen, mit Honig überzogenen Schinken mit Lotussamen und Osmanthusblumensauce und als Nachtisch Mangopudding mit einer Mangomilchsauce.
    Es war ein Traum.

    Kilometerrauschen 31.12.2011, 10.39| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Lantau und ein Teehaus



    Heute fahren wir mit der Fähre nach Lantau. Nach ca einer Stunde Fahrtzeit kommen wir in Mui Wo, einem kleinen verschlafenen Küstenort an. Es herrscht sommerliche Atmosphäre. Die tropische Vegetation unterstützt die Feriengefühle.
    In den Garküchen wird mit Geschirr geklappert, Badeshorts und FlipFlops hängen draußen an den kleinen Läden. Auf Lantau gibt es einige herrliche Strände und Badebuchten. Leider für uns nicht erreichbar, da wir kein Auto gemietet haben.
    Wir warten auf den Bus, der uns nach Tai O bringen soll.
    Auf der Fahrt bekommen wir leider nur einen sehr flüchtigen Eindruck von der schönen Landschaft, aber immerhin…. Die kleinen Badebuchten mit den rundgeschliffenen Felsen, die wie große Tiere im gelben Sand liegen, sind wie aus einem Film. Hier könnte James Bond seine Blondinen verführen.
    Nach einer sehr kurvenreichen Fahrt erreichen wir Tai O, den Ort mit den berühmten Pfahlbauten, über den wir kurz vor unserer Abreise einen Bericht im Fernsehen gesehen hatten.
    Dicht bei dicht stehen die kleinen Hütten entlang der Wasserläufe. Dazwischen tuckern die Fischerboote. Wie in Chueng Chau sind auch hier überall Fische zum Trocknen aufgehängt. Viele Touristen schieben sich durch die kleinen Gassen und über die Brücken.
    Es riecht modrig-feucht. Wäsche flattert im Wind und die Frauen unterhalten sich lautstark quer über die Wasserläufe hinweg. Die Sprache klingt für unsere Ohren noch merkwürdiger als sonst. Es hört sich an, als ob alle miteinander schimpfen. Hier hat sich ein besonderer Dialekt erhalten, der ausschließlich auf Lantau in Tai O gesprochen wird.
    Wir steigen wieder in den Bus und fahren nach Ngong Ping zum großen Buddha. Einem der zehngrößten Heiligtümer der Buddhisten.
    Dort ist alles ist sehr touristisch aufbereitet. Es sieht ein bisschen so aus, als ob wir in Disneyland gelandet wären.
    Der riesige Buddha thront über allem. Gelassen und sehr schön.
    Wir entdecken einen Wegweiser zu einem Teehaus. Ob ich wohl endlich mal ein richtiges Teehaus besuchen kann. Wir folgen den Wegweisern und gehen einen kleinen Waldweg entlang. Überall liegen vor sich hinrostende Blechdosen, Bauschutt und Reste irgendwelcher Gartenarbeiten.
    Nicht gerade sehr einladend.
     An einer Biegung des Weges steht dann das Teehaus: eine größere Bude mit Veranda, bunten Plastiktischdecken, Plastikstühlen und Neonröhren an der Decke.
    Auch hier liegt in jeder Ecke irgendein Gerümpel.



    In der eigentlichen Teeküche herrscht ein malerisches Durcheinander von Töpfen, Pfannen, Teekannen, Pappschachtel, Papierbergen und allem möglichen Kram.
    Die Wirtin öffnet zwei Teedosen und wir dürfen daran schnuppern. Ein feiner Jasmintee und ein Ti Quan Yin stehen zur Auswahl.
    Wir bestellen von jedem eine Portion und setzen uns auf die Terrasse. Die Wirtin kommt mit einem Tablett auf dem zwei kleine Tonkännchen und das weiteren Teezubehör steht. Vor unseren Augen wir der Tee in dem kleinen Kännchen frisch zubereitet und das heiße Wasser für die weiteren Aufgüsse in einer Thermoskanne auf den Tisch gestellt.
    Der Tee schmeckt herrlich. Endlich mal ein richtig zubereiteter frischer Tee.
    An den Nebentischen sitzen Männer, trinken ihren Tee aus den kleinen Schälchen, gießen Wasser nach ins Kännchen für den weiteren Aufguss und unterhalten sich. Hunde liegen in der Sonne.
    Mir scheint, wir haben ein richtiges Teehaus gefunden.  Wenn es auch ganz anders ist als in unserer Vorstellung.


    Kilometerrauschen 31.12.2011, 10.27| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Straßenüberquerung auf Hongkong Art


    Die Tage rasen nur so vorbei. Die Ausflüge nach Shenzen und Gouangshou haben wir gestrichen. Hongkong hat so viel zu bieten, dass wir lieber nach dem Motto verfahren: weniger ist mehr. Allein das Visum zu beantragen hätte viel Zeit beansprucht.
    Hongkong ist die Stadt der weiten Wege. Das stimmt eigentlich nicht, denn Hongkong ist flächenmäßig nicht groß, aber von A nach B zu gelangen ist oft extrem umständlich.
    Die breiten Strassen sind für Fußgänger häufig nicht zu überqueren. Fußgängerüberwege mit Ampeln sind selten.
    Es gibt oft nur Über- oder Unterführungen. Also steigen wir die Treppen rauf oder runter, durchaus gibt es nicht immer Rolltreppen.
    Oben oder unten angekommen, stellen wir fest, dass die Überführung nicht auf dem direkten Weg auf die andere Straßenseite führt, sondern zunächst in eine….ja was wohl? …klar, eine Shopping Mall.
    Auch innerhalb des Einkaufsparadieses lässt sich der Weg auf die andere Straßenseite nicht einfach fortsetzen. Wir finden uns auf einem hübschen Platz mit Lichthof, Springbrunnen und verschiedenen Rolltreppen wieder.
    Die Rolltreppen führen auf die verschiedenen, häufig auch noch ineinander verschachtelten Ebenen des Einkaufsparadieses.
    In langen, im Halogenlicht funkelnden Gängen laufen wir an Luxusläden vorbei… irgendwohin.
    Eigentlich wollten wir nur die Straße überqueren.
    Wir halten Ausschau nach Wegweisern. Gesucht, gefunden: kleine graue Schildchen, weisen sehr dezent den Weg in die raue, oberirdische Wirklichkeit.
    Wir folgen den Schildchen und tauchen schließlich wieder auf der Straße auf.
    Allerdings müssen wir feststellen, dass wir jetzt nicht einfach auf der anderen Straßenseite stehen, sondern  einige Häuserblocks rechts oder links davon.
     Also kämpften wir uns wieder hunderte von Metern zurück durch die Menschenmassen, um dann endlich auf der anderen Straßenseite anzukommen. Nach diesem Abstecher können wir dann unseren Weg zum eigentlichen Ziel fortsetzen….bis zur nächsten Straßenüberquerung.  


    Kilometerrauschen 31.12.2011, 10.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Eine seltsame Bar

    Heute hatten wir noch einen ganz besonderen Anlass zum Feiern. Thomas hat am 29.12. Geburtstag und wir wollten irgendwo mit Blick auf die Stadt reinfeiern und anstoßen.
    Da das berühmte Hotel Peninsula ganz in der Nähe von unserem Hotel ist, war die dortige Bar, das „Felix“ im 29. Stock, unser Ziel.
    Der tolle Blick, die super originelle Einrichtung von Philipp Starck und die Cocktails wurden im Internet gelobt.
    Außerdem hieß es immer, ein Besuch im Peninsula und sei es nur zum berühmten Fünfuhrtee sei ein Muß für jeden Hongkong Besucher.
    In Schale geschmissen und mit der Vorfreude auf einen tollen Cocktail gingen wir zum Peninsula.  
    Das Foyer des Hotels, in dem auch der Fünfuhrtee eingenommen wird, wirkte erstaunlich unpersönlich und kühl.
    Eine brüllend laute und leider sehr schlechte Band beschallte den etwas zugigen Raum.
    Wir suchten den Fahrstuhl, der uns in den 29. Stock bringen sollte. Kein hilfreicher Geist war zu entdecken. In unserem Hotel kommt sofort jemand, der hilft wenn es nötig ist. Hier saßen nur ein paar Gäste etwas verloren im Foyer.
    Schließlich fanden wir den Fahrstuhl. Kurz vor dem 29. Stock wurde das Licht automatisch runtergedimmt, unsere Erwartungen stiegen.
    Die Tür ging auf und ein brüllender Lärm empfing uns. Völlig verdattert standen wir vor einer Bühne, auf der eine Sängerin sich die Seele aus dem Leib schrie. Anders kann ich leider den Gesang nicht beschreiben.
    Die Bar war gleich nebenan und leider zur Bühne hin geöffnet. Sie war winzig und ohne richtige Sitzgelegenheiten. Lässig konnte man an einer Bar stehen oder auf einer Plastikwurst, die an der Wand entlang verlief, mehr oder weniger sitzen.
    Leider konnte man dann nicht mehr aus dem Fenster sehen. Die raumhohen Fenster waren aber aus einem unerfindlichen Grund mit braunen Lamellen-Jalousien verhängt, sodass man nur geradeaus gucken konnte. Der Blick nach unten war versperrt.
    Am Fenster entlang standen ein paar Barhocker.  
    Eine extrem schmale und schiefe Ebene aus Glas diente als einzige Abstellmöglichkeit für das Glas.
    So saßen wir schließlich wie die Hühner auf der Stange, blickten stur gerade aus und bemühten uns, das Glas vor dem Abrutschen zu hindern.
    Wäre auch nicht schlimm gewesen, denn die Cocktails waren miserabel. Billigste Zutaten lieblos zusammengerührt.
    Mein Mojito war als solcher nicht zu erkennen. Auch der wässrige Margarita nur mit sehr viel Phantasie.
    Dazu brüllte die Band in miesester Qualität Hits in den Raum.
    Abgesehen von den Künstlern, war auch die Tonqualität zum Davonlaufen. Genau das machten wir nach einem Drink und stießen lieber in unserer gemütlichen Hotelbar auf das neue Lebensjahr an.

    Kilometerrauschen 31.12.2011, 10.18| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Museum of History und der Peak



    Am Vormittag besuchten wir das Museum of Hongkong History.
    In der Stadt gibt es keine alten Gebäude. Alle Spuren der Vergangenheit sind abgerissen und durch moderne Hochhäuser ersetzt.
    So lässt sich das Leben der bewegten Hongkonger Vergangenheit nur schwer vorstellen.
    Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie das Leben im alten Hongkong war, ist der Besuch in dem Museum hervorragend geeignet.
    Vom Opiumkrieg bis zur Rückgabe Hongkongs an China 1997 wird die Geschichte Hongkongs sehr anschaulich dargestellt.
    Tempel, Wohnungen, Geschäfte…..alles wurde  im Original im Museum aufgebaut. So läuft man durch alte Teeläden, Kräuterküchen, Bankfilialen…usw.
    Große Fotos und Filme zeigen das Leben während der Japanischen Besatzung. Auch die Naturkatastrophen und Seuchen, die die Bewohner dieser Stadt Erleben mussten, wurden eindrucksvoll dokumentiert.

    Nun sind schon fünf Tage unseres Aufenthaltes vergangen und wir waren noch nicht auf dem Victoria Peak, dem berühmtesten Aussichtspunkt in Hongkong.
    Immer dachten wir, es würde vielleicht noch ein Tag mit besserer Sicht kommen.
    Hongkong liegt meistens unter einer dichten Dunstglocke. Zum Einen verursacht durch die Luftverschmutzung, zum Anderen durch die hohe Luftfeuchtigkeit. Richtig klar ist es äußerst selten. Außerdem waren bisher fast alles Feiertage, und dann ist dort oben der Teufel los.
    Am frühen Abend wollten wir nun endlich auf den Peak.
    Die Idee hatten wir natürlich nicht allein, lange Schlangen standen vor der Bergbahnstation. 1 Stunde Wartezeit stand auf einem Schild. Den ganzen Tag waren wir auf den Beinen gewesen und da war mir der Gedanke, eine gefühlte Ewigkeit hier zu stehen ein Graus.
    Sehnsuchtsvoll beäugte ich ein Taxi.
    Thomas hatte den gleichen Gedanken und so verzichteten wir auf die Fahrt mit der Seilbahn und bestiegen das nächste Taxi.
    Übrigens ein sehr preiswertes Vergnügen in dieser Stadt und auch zu empfehlen, da die Wegeführung für Fußgänger oft sehr umständlich ist.
    Das Taxi kletterte den steilen Berg hinauf. Vorbei an riesigen Villen und noblen Wohntürmen vermögender Hongkonger.
    Hier kostet ein Appartement umgerechnet bis zu 1200 € Miete am Tag !!!
    Oben angekommen standen wir erst einmal wieder in einer Shopping Mall. Ich muss gestehen, das nervt mich allmählich. Shopping Malls über Shopping Malls. Auch der  Peak erschien mir wie eine Shopping Mall mit Aussichtspunkt. Wer kauft nur all diese Sachen?
    Natürlich gab es auch Aussichtsterrassen, aber  ich hatte den Eindruck, dass die Möglichkeit, die Aussicht zu genießen durch die Einkaufsmall regelrecht verdrängt wurde.  
    Wir gingen einen Spazierweg am Peak entlang. Hier ließ sich die tolle Aussicht recht entspannt genießen. Plötzlich konnten wir den riesigen Hochhaustürmen auf die Dächer schauen. Die gelbliche Dunstglocke hing wie ein dicker Deckel über der Stadt.
     Als es zu dämmern begann, gingen wir auf die große Aussichtsterrasse auf dem Dach der Shopping Mal.
    Die glitzernde Stadt breitete sich unter uns aus. Einfach schön !
    Leider war es so voll, dass,  ganz gegen unsere bisherigen Erfahrungen, ein ziemliches Gedrängel und Geschubse herrschte. Klar, den tollen Blick wollten natürlich viele genießen…uns wurde es zu viel und wir fuhren mit der Bergbahn wieder zurück in die Stadt.





    Kilometerrauschen 31.12.2011, 03.07| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Irrweg

    Nachmittags wollten wir wieder rüber nach Hongkong Island. Heute mal ganz schnell mit der U-Bahn.
    Meine beiden Männer guckten auf den Plan: „Die neue U-Bahnstation muß gleich neben den hohen Häusern da vorne sein“. Ja, da waren die höchsten Häuser von Kowloon, wie es schien nicht weit weg. Das ICC Center, das vierthöchste Haus der Welt.
    Wir liefen in deren Richtung: über Straßen hinweg, unter Straßen hindurch. Wir kamen auf eine Baustelle, liefen durch ein rot-weißes Labyrinth aus Absperrgittern und Flatterbändern. Rechts die Baustelle, links die breite Straße. Wir liefen und liefen aber die Hochhäuser mit der U-Bahnstation kamen irgendwie nicht näher. Im Gegenteil, die trennende Baustelle führte uns eher weiter weg. Ewig ging es in langen Kurven durch die Flatterbänder und Absperrgitter.
    Schließlich kamen wir auf der anderen Seite der Baustelle  an.
    Von einer U-Bahnstation war nichts zu entdecken. Statt dessen ragten neben uns die Wolkenkratzer in den Himmel und eine schier endlos erscheinende, fensterlose Wand aus rotem, glänzenden Granit verlief neben mir. Wo soll denn hier eine U-Bahnstation sein?
    Meine Beine waren schwer wie Blei, es war warm, meine Tasche zog mich fast in den Boden. Weit in der Ferne, am gefühlten Horizont, meinte ich so etwas wie ein öffentliches Nahverkehrsmittel zu erkennen.
    Mir schwanden die Sinne. Bis dahin breche ich zusammen.
    Zum Glück tat sich nach 2/3 der Strecke zum Horizont ein riesiges Tor in der Granitwand auf.
    Mit letzter Kraft schleppte ich mich in eine garagenartige, riesige Betonhalle am anderen Ende war ein weiteres Tor, das führte ….na klar, was sonst ☺ in eine Shopping Mall … nobel, glitzernd und extrem unübersichtlich, wie immer. Es war die extrem exklusive Shopping Mal des ICC Centers.
    Aber unten war die ersehnte U-Bahnstation.
    Anschließend lasen wir im Reiseführer, dass die U-Bahnstation und das ICC Center zu Fuß praktisch unerreichbar ist. Ein wahres Wort !!! Leidvoll am eigenen Lieb erfahren.


    Kilometerrauschen 30.12.2011, 04.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Bird Garden


    Heute stand der Flower Market auf unserem Programm. In unseren Reiseführern wurde von dem Markt regelrecht geschwärmt..
    Das konnte ich nicht so ganz nachvollziehen.
    Zwar standen überall Blumen vor den Geschäften, aber sehr außergewöhnlich wirkte es nicht.
    Die Blumen standen in Eimern, waren meistens in Plastikfolie verpackt und nicht besonders arrangiert. Hin und wieder standen sehr exotische Pflanzen dazwischen, das war aber eher die  Ausnahme.
    Die Läden unterschieden sich nicht wesentlich von unseren, nur dass es ein paar mehr waren, die sich in zwei Straßen aneinander reihten.

    Gleich daneben war aber der Bird Garden und der ist in meinen Augen eine echte Attraktion:
    Hier trugen, vor allem ältere Männer, kleine reich verzierte Vogelkäfig mit ihren Vögeln spazieren.
    Die Männer unterhielten sich miteinander und/oder fachsimpelten und die Vögel konnten gemeinsam singen.
    Eine Ewigkeit saßen einige Männer vor den kleinen Käfigen und betrachteten versunken ihre Lieblinge.
    Mal wurden die Käfige an einen Baum gehängt, dann wieder in die Sonne gestellt. Mal in die Nachbarschaft eines bestimmten „Vogelkollegen“ getragen um zu beobachten, wie die beiden Vögel miteinander Kontakt aufnehmen um ihn dann wieder mit dem Käfig an eine andere Wand oder anderen Baum zu hängen.
    Manchmal wurden die Käfige mit weißen Umhängen verhüllt, der Besitzer sinnierte eine Zeit vor dem Käfig, dann wurde der Umhang wieder abgenommen.
    Alles hatte irgendwie System, aber ich konnte es nicht durchschauen.
    Die kleinen Vögel wurden gekrault und gestreichelt, die Käfige geputzt und das alles mit einer unglaublichen Hingabe.
    Ein Mann stellte einen zweiten Käfig mit einem Wasserbasin neben seinen normalen Vogelkäfig. Der kleine Vogel wechselte den Käfig und plantschte in dem Wasser. Dabei wurde er natürlich genauestens beobachtet.
    Die Ruhe, die von den Männern mit ihren Vögeln ausging war vereinnahmend. Ich konnte mich gar nicht losreißen.
    Auch die Stände mit dem Zubehör waren sehenswert. Es gab kleine Trinknäpfchen aus bemaltem Porzellan, prachtvolle Käfige und verzierte Sitzstangen.
    An einem Stand wurde frisches Vogelfutter geröstet an einem anderen krabbelte uns wuselte es in Tüten und Netzen.  Würmer, Heuschrecken und  alles was das Vogelherz begehrt ,war lebendfrisch vorhanden.




    Kilometerrauschen 30.12.2011, 04.17| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Chueng Chau



    Heute fuhren wir mit einer Fähre nach Chueng Chau, einer kleinen Insel ca eine Stunde mit dem Schiff von Hongkong entfernt.
    Es war noch Feiertag und entsprechend voll war die Fähre. Im hinteren Teil der Fähre sahen wir Männer in weißen Gewändern und Kapuzen.  
    Neben ihnen stand ein geschmückter Sarg. Offensichtlich fand eine Leichenüberführung statt.
    Wir gingen auf das obere Deck und stellten uns hinten in den offenen Bereich.
    Das Wetter war, wie immer während unseres Aufenthaltes, sonnig und warm.
    Die Stadt zog langsam an uns vorbei und verschwand im gelblichen Dunst.
    Immer wieder kam mir in den Sinn, dass ich gerade über das Südchinesische Meer schaukelte.
    Plötzlich flatterten bündelweise weiße, unbeschriebene Zettel an uns vorbei ins Meer. Etwas empört guckte ich über die Reling und wollte sehen, wer denn ausgerechnet hier seinen Papierkorb entleert. Da sah ich, wie die Hand eines der Mönche diese weißen, langen Zettel in den Wind fliegen ließ. Offensichtlich handelte es sich um ein Bestattungsritual.
    Wir fuhren an LamMa und vielen kleinen Inseln vorbei, bis wir schließlich in dem kleinen Fischerort Chueng Chau ankamen.
    Der Hafen war voll mit kleinen Fischerbooten und Dschunken. Auf der ganzen Insel gibt es keine Autos. Wäre in den engen Gassen auch undenkbar.
    Das einzige Auto ist der Krankenwagen und ein Feuerwehrauto, eine winzigkleine und ganz schmale Sonderanfertigung.
    Wir verließen gleich die überfüllte Uferstraße und gingen durch die Altstadt.
    Ein Gewirr von kleinen Gassen. Fahrräder klingelten, überall lagen gemütlich Hunde herum, die kleinen Läden hatten ihre Waren vor der Tür ausgebreitet.
    Selten habe ich mich so weit weg von Europa gefühlt.
    Über lange, steile Wege und Treppen stiegen wir auf den höchsten Berg zum Aussichtspunkt, um uns einen Überblick über die kleine Insel zu verschaffen.
    Es war warm und ich hatte mit Mantel und Pullover ganz schön zu pusten. Sich den Temperaturen angemessen zu kleiden ist zu dieser Jahreszeit nicht ganz einfach, da es in der Sonne sehr warm ist und man am liebsten nur in T-Shirt herumlaufen möchte, aber am Abend und im Schatten ist es recht kühl.
    Also ist Zwiebeltechnik anzuwenden, die nur den Haken hat, dass man den halben Tag unnötige Klamotten in der Gegend herumträgt.
    Auf dem Aussichtspunkt angekommen, wurden wir mit einem tollen Blick über das Meer mit vielen kleinen Inseln belohnt.
    Zurück im Dorf kamen wir auf den zentralen Dorfplatz.
    Dort sahen wir Männer und Frauen, die ein meterlanges Tuch entfalteten.
    Gemeinsam  hielten sie es am Rand fest, lachten und alberten dabei herum.
    Einer der Männer, der am Kopfende des Tuches stand, fing an Münzgeld, Bohnen und Getreide in das Tuch zu werfen.
    Plötzlich holte er einen bunten Mantel aus der Tasche, zog ihn an und begann Räucherwerk zu entzünden. Da dämmerte es uns, dass es sich hierbei um ein religiöses Ritual handeln musste. Der Mönch führte die „Tuch- Prozession“ mehrfach im Kreis  um den Dorfplatz herum.

     Bei uns meldete sich wieder einmal der Hunger.
    Spezialität der Insel sind frische und getrocknete Fische. Auf großen, flachen aus Bambus geflochtenen Körben oder Metallgittern lagen an jeder Ecke Krabben, Fische und uns unbekannte Teile von Meeresbewohnern zum Trocknen in der Sonne.
    Obwohl wir nun schon einige Tage Training hinter uns hatten, trauten wir uns nicht so recht an die Töpfe. Wir hatten wohl zuviel totes Meeresgetier gesehen…und es war schwül-warm und die Essensreste in den Eimern auf dem Boden…..und die klebrigen Teller…irgendwie???….nein, heute mal nicht so mutig.
    An einem Stand mit gedämpften Teigtäschchen, die frisch zubereitet wurden, blieben wir hängen.Wir aßen sie auf einer Bank mit Blick über den Hafen.
    Sie waren richtig lecker mit viel Knoblauch und frischen Kräutern.
    Anschließend entdeckten wir noch Kartoffeln, die spiralförmig geschnitten an einem Spieß geröstet wurden. Kartoffelchips am Spieß, das hatte ich auch noch nie gesehen. Zum Nachtisch kauften wir an einem kleinen Stand noch mit Bohnenmus gefüllte Hefeklöße, eine Spezialität der Insel.
    Satt und zufrieden ging es mit der Fähre zurück nach Kowloon. Es war leichter Seegang und schnell wiegten sich die Köpfen in den Sitzreihen vor uns im Rhythmus der Wellen hin und her. Mindestens zwei Drittel der Passagiere war eingeschlafen…wir schlossen uns ihnen an.








    Kilometerrauschen 29.12.2011, 13.36| (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Luk Yu Teahouse, Rolltreppe



    Hier sind der 25. und der 26. Dezember Feiertag und da in diesem Jahr der 25. ein Sonntag ist, wird dieser Feiertag nachgeholt und auf Montag gelegt. So haben die Chinesen dieses Jahr drei freie Tage zu Weihnachten. Die fröhliche Feierei kann also weitergehen. Die Geschäfte und Märkte haben alle geöffnet und die Menschenmassen schieben sich durch die Straßen.
    Wir fuhren mit der Fähre wieder nach HongKong Island, um das bunte Treiben zu beobachten.
    In Hongkong ist es nicht ganz einfach, sich zu orientieren. Viele Straßen sind für Fußgänger nicht zu überqueren und man muß lange Umwege machen, um durch eine Unterführung von der einen auf die andere Straßenseite zu gelangen. Das ist auf unserem Stadtplan nicht zu sehen, sodass die Wege oft viel länger sind als erwartet. Eigentlich kein Problem, wenn nur die Füße nicht wären….

    Heute waren wir in dem berühmten „Luk Yu Teahouse“. Ein Teehaus noch original erhalten aus den 30er Jahren.
     Wie zu erwarten war es rappelvoll.
    Der sehr streng blickende Chef stand hinter seinem kleinen Empfangstresen und sagte knapp: „full“.
    Mehr oder weniger geduldig, ich weniger, warteten wir im Eingangsbereich auf einen freien Tisch.
    Die Einrichtung war wirklich einmalig: helle Wände, mit Holzvertäfelungen und kleinen Sitznischen, an der Decke liefen Holzventilatoren.
    Bunte Art Deco Glasverzierungen schmückten die sonst sehr schlichten Wände.
    Schließlich wurden wir an einen Tisch beordert. Der mürrisch blickende Kellner knallte uns die kleinen Zettelchen für die Bestellungen auf den Tisch.
    Als Steffen fragte, ob er auch eine Teekarte hätte, ergoss sich ein wütender chinesischer Redeschwall über uns.
    Etwas eingeschüchtert füllten wir unsere Zettelchen mit der Bestellung aus.
    Er griff zu, blickte böse und knallte uns die Kanne mit dem üblichen Jasmintee auf den Tisch. Etwas enttäuschend für ein Teehaus, aber die Dim Sum waren ok, zwar nicht überragend aber sie machten satt.
    Neben dem schönen Ambiente hatten wir nun auch den ersten unfreundlichen Chinesen erleben dürfen.
    Ich würde jedem Hongkong Besucher raten, vom Eingang aus einen Blick in das Restaurant zu werfen und dann lieber in einer der Garküchen oder gewöhnlichen Dim Sum Restaurants essen. Man zahlt viel weniger, das Essen ist mindestens genau so gut, wenn nicht besser, und der Service freundlich und hilfsbereit. Bisher hat sich noch jede Bedienung oder Koch gefreut, uns ungelenken „Langnasen“ zu helfen.



    Anschließend sind wir mit der längsten Rolltreppe der Welt den Peak hochgefahren. Eine ewig langes Band aus Rolltreppen und Laufbändern führt durch enge Straßenschluchten den steilen Berg hinauf. Die unglaublich hohen und verschachtelten Hochhaustürme sind ein buntes Durcheinander.
    Eine Mischung von Wohnungen, Restaurants und Bars zog an uns vorbei. 30 000 Pendler nutzen diese Verkehrsverbindung um zur Arbeit und zurück zu gelangen. Oben angekommen, nahmen wir den Bus zurück, der sich auf atemberaubend steilen Straßen den Berg wieder runterstürzte.
     
    Auf dem Rückweg zum Fähranleger nach Kowloon, kamen wir an den Picknickplätzen der philippinischen Hausangestellten vorbei. Die Frauen  hatten sich aus Pappkartons kleine Sitzburgen gebaut, um dort miteinander zu essen, Karten zu spielten, sich zu unterhalten oder im Internet zu surften.
    Die Schuhe waren sorgfältig „vor der Tür“ abgestellt. Ihre winzigen Zimmer, sofern sie denn überhaupt ein eigenes Zimmer haben, bieten keine Möglichkeit sich zu treffen und ihr sehr magerer Verdienst reicht nicht um gemeinsam Essen zu gehen, oder etwas zu unternehmen.
    So ist dies die einzige Möglichkeit, miteinander die wenige Freizeit zu verbringen.

    In Kowloon zurückgekehrt war wieder der Teufel los. Wie am Heiligen Abend wurde überall gefeiert. Die Straßen waren proppenvoll, die Restaurants und Geschäfte ebenfalls. Wir ließen uns noch eine Zeit durch die Straßen treiben, zogen es dann vor, ein „Absacker- Bier“ in unserem Hotelzimmer im 16 Stock, mit Blick auf die Uferpromenade mit den Menschenmassen und die Skyline, zu genießen. Ein warmes Fußbad war außerdem bitter nötig.


     

    Kilometerrauschen 28.12.2011, 01.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Weihnachten in Hongkong



    …ein ganz besonderes Ereignis. Wer besinnliche Weihnachten liebt, ist hier völlig fehl am Platz. Es ist ein riesiges um nicht zu sagen ein gigantisches Volksfest.
    Den ganzen Tag waren wir in Kowloon auf den Straßenmärkten unterwegs.
    Auch hier auf Kowloon findet man überall die Mischung von uralt und supermodern. Ein quirlig-buntes Durcheinander, was einen ganz schön verwirrt.
    An den Marktständen sind die Waren häufig zu langen Schnüren angeordnet und aufgehängt. Dadurch bilden sich regelrecht Muster aus Lichterketten, Taschenlampen, Elektrosteckern und Karabinerhaken u.ä.



    Daneben das aufgeschichtete Gemüse, Fleisch und vor allem Fisch in jeder Form. Manche Fische sind getrocknet und platt gehauen, dünn wie Papier.
    Auch Geflügel sieht man oft platt wie eine Flunder auf großen Schalen liegen. Dazwischen sind überall Garküchen aus denen es dampft und mal herzhaft mal süßlich nach einem anisartigen Gewürz riecht.
    Der Geruch dieser Gewürze wird mich den Rest meines Lebens an Hongkong und die bunten Märkte erinnern.
    Zum Essen gingen wir in ein Dim Sum Restaurant, dessen Schild wir auf der Straße entdeckten. Da wir wieder in einer für Touristen sehr abgelegenen Gegend waren, fielen wir  sehr auf. Wie hier üblich saßen  alle an großen, runden Tischen.  Häufig werden in derartigen Restaurant Hochzeiten gefeiert und bei der Einrichtung dominiert die Farbe Weiß und an der Decke hängen glitzernde Kronleuchter. Es ist laut und lebhaft, jeder Tisch ist besetzt aber wir haben Glück. Nur mit der Speisekarte hatten wir nicht so großes Glück: alles war auf chinesisch und so konnten wir den Bestellzettel, auf dem die gewünschten Gerichte notiert werden, nicht ausfüllen. Ratlos und vergeblich suchten wir nach Abbildungen. Der Oberkellner im dunklen Anzug lief etwas verlegen zwischen den Tischen herum. Er sprach kein Englisch. Wir bekamen erst einmal Tee hingestellt. Ein guter Anfang.
    Am Nachbartisch saß eine große Gesellschaft von acht Personen - für uns groß, hier völlig normal - und redete offensichtlich über uns. Auch normal.
    Schließlich stand ein Herr auf und bot uns auf fließendem Englisch seine Hilfe an. Der Oberkellner kam erleichtert angelaufen und auch die restlichen Gäste des Nebentisches beteiligten sich lebhaft an der Diskussion, was wir denn essen sollten. Als Steffen auf einen Teller am Nebentisch zeigte, fragte der Mann, ob er denn wirklich gegrillte Hühnerfüße essen wolle. Er wollte nicht.
    Mit vereinten Kräften bestellten wir unter viel Gelächter vier Portionen gedämpfter Speisen. Winkend verabschiedeten sich unsere freundlichen Helfer und wir genossen herrliches Essen.
    Danach besuchten wir noch einen Tempel und fuhren rechtzeitig ins Hotel. Wir waren von der Hotelleitung vorgewarnt, dass einige Straßen gesperrt werden und es überhaupt sehr voll werden wird.
    Um 18 Uhr wurde die 6 spurige Straße, die unser Hotel von der Uferpromenade trennt, gesperrt. Überall wurden Flatterbänder zur Sicherheit gespannt, und Schilder aufgestellt, auf denen man gebeten wurde, auf den Brücken nicht stehen zu bleiben. Das ließ Großes erwarten.
    Zum Heiligen Abend hatten wir in dem sehr vornehmen Chinarestaurant im Hotel einen Tisch gebucht.
    Ein guter Gedanke, wie sich herausstellte. Das Essen war toll und als wir anschließen auf die Straße traten, trauten wir unseren Augen kaum.
    Menschenmassen schlenderten die Uferpromenade entlang. Viele hatten rot, grün oder blau leuchtende Hörner auf dem Kopf. Einige auch leuchtende Herzchen oder Rehgeweihe, die bei jedem Schritt wippten.
    Vorherrschende Kopfbedeckung waren allerdings Weihnachtsmannmützen.
    Wir ließen uns in dem Strom treiben.
    Die Hochhäuser waren mit bunter Weihnachtsbeleuchtung geschmückt und die Attraktion.



    Überall blitzen Fotoapparate, an jeder zweiten Ecke standen Gruppen junger Leute und sangen Weihnachtslieder auf Chinesisch,  „Fastdeutsch“ oder „Fastenglisch“.
    Ein Riesengaudi. Alles ohne Alkohol, Fressbuden oder Verkaufsstände.
    Es herrschte eine unglaublich fröhliche Stimmung, ohne Gedrängel und Geschubse. Alles war perfekt organisiert. Keinen einzigen Betrunkenen haben wir an diesem Abend gesehen.
    Wir hatten den Eindruck ganz Hongkong muß gerade hier auf den Beinen sein.
    Alle Geschäfte waren geöffnet und die Chinesen gingen ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Shopping, nach. Auch die Nathan Road, die große Einkaufsstraße in Kowloon war gesperrt und alles lief mit bunten Lichtern auf den Köpfen auf der Straße und feierten einfach…..was auch immer…Viele riefen uns Marry Christmas zu und machten Fotos mit uns. Wir waren in der Menschenmenge wohl als „Weihnachtsexperten“ zu erkennen.
    Das war ein Heilig Abend der ganz besonderen Art. fröhlich, ausgelassen und irgendwie eine Mischung von Fasching und Silvester…oder so…ich glaube so ganz genau wussten alle nicht, warum sie eigentlich feiern. Hauptsache feiern !!!!
    Uns hat es viel Spaß gemacht und das Mitfeiern fiel leicht.

    Kilometerrauschen 27.12.2011, 01.59| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Hongkong Island



    Aus dem Bett konnte ich den Sonnenaufgang über der Skyline von Hongkong erleben. Ein toller Anblick.
    Unser sehr schönes Hotel hat leider einen Haken: Das Frühstück und alle Getränke sind exorbitant teuer.
    Das Frühstück kostet umgerechnet 25€ pro Person und ein hiesiges Bier 7,50€.
    Zum Vergleich: Für ein Abendessen für drei Personen in einem normalen chinesischem Restaurant bezahlten wir 27€.
    So landeten wir dann bei Starbucks, nicht schön aber preiswert.

    Nach unseren ersten Schritten in Kowloon, wollten wir heute mit der Fähre nach Hongkong Island.
    Die Fähren sehen noch so aus, wie man sich chinesische Boote vorstellt: die Schiffsform ist eher oval, sie haben zwei Decks und der Schiffsführer sitzt unten fast in der Mitte.
    Nach einer Fahrtzeit von 10 Minuten erreichten wir Hongkong Island.
    Ein Labyrinth überdachter Fußgängerbrücken führte über die stark befahrenen Straßen zwischen den Wolkenkratzern hindurch.
    Mit der Straßenbahn, Ding-Ding Bahn, wie wir sie nannten, fuhren wir die Hennesey-Road hoch.
    Die Straßenbahn ist sehenswert. Sie ist extrem schmal, zweistöckig und rumpelt und schaukelt mit ihrem sehr kurzen Radstand durch die Straßenschluchten, einem Sammelsurium von extrem modernen und uralte Hochhäusern.
    Neben einem glänzenden endlos hohen Glasturm, steht ein, in unseren Augen, völlig runtergekommenes Wohnhochhaus, mit an den Fenstern klebenden Klimaanlagen und flatternder Wäsche.
    Irgendeine Art  Bauordnung ist für unsere westlichen Augen nicht zu entdecken.
    Die riesigen Reklametafeln in unterschiedlichen Größen und Farben, die wie Fahnen über die Straßen ragen, verwirren einen als Neuankömmling noch zusätzlich. Man kann sich am Anfang nur staunend treiben lassen.

    Wir gelangten in das Marktviertel der  Bowrington Road. Hier reiht sich ein Lebensmittelstand an den nächsten.
    Alles wir offen auf der Straße präsentiert. Es ist laut, bunt und exotisch. Zappelnde Fische, neben kunstvoll aufgeschichtetem Gemüse und an Haken hängenden Gänsen und Fleischteilen.
    Steffen hatte von einem chinesischen Freund gehört, dass man hier gut essen kann.
    Für mich zunächst ein etwas gewöhnungsbedürftiger Gedanke.
    Im ersten Stock des Market Centres entdeckten wir dann auch eine riesige Halle mit lauter einzelnen Garküchen.


    Hier ging es recht zünftig zu. Dicht an dicht standen die Tische. Es war rappelvoll .
    Auf den Tellern lagen für uns völlig undefinierbare Speisen. In Plastikeimern stapelten sich abgegessene Teller, zusammen mit den Essensresten.  Knöchelchen und ähnlich Ungenießbares wurde locker auf den Tisch neben den Teller gespuckt.
    In einer Garküche wurde gerade mit schnappendem Geräuschen einer Schere eine irgendwie gegarte Schlange in Stücke geschnitten.
    An Haken hingen lackierte Enten mit noch allem dran, was eine Ente ausmacht.
    Wir liefen etwas unsicher und suchend durch die engen Tischreihen.
    Als Exoten sorgten wir an den Tischen offensichtlich für Unterhaltungsstoff.
    An dem Stand mit den lackierten Enten entschlossen wir uns, etwas zu essen.
    Das waren wenigstens Gerichte, bei denen wir erkennen konnten, was es war.
    Eine freundliche Bedienung kam uns zu Hilfe.
    Der braune Resopaltisch war noch bedeckt mit den Essensresten der Vorgänger.
    Sie räumte alles ab und wir konnten uns setzten. Schnell hatten wir unser Essen. 
    Das Essen war ausgesprochen gut. Dazu gab es wie immer Tee, allerdings aus bunten, etwas gammelig aussehenden Plastikbechern.
    Nicht mein Fall, dann lieber Durst.
    Den Rest des Tages liefen wir durch die Straßen und Gassen. Am Abend im Hotel schlief ich völlig erledigt im Sessel ein.
    Übrigens, das Essen ist allen gut bekommen ☺


     

    Kilometerrauschen 26.12.2011, 02.01| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Angekommen



    ..allerdings nur körperlich. Ansonsten weiß ich irgendwie noch nicht so richtig wo ich eigentlich bin.
    Der Flug von 11 Stunden ging schneller rum als befürchtet. Ortszeit 7:50 Uhr kamen wir pünktlich an. Ein dicker gelblicher Dunst lag über dem Meer und der Landschaft. Noch war von der Stadt nichts zu entdecken, da der neue Flughafen weit außerhalb von Hongkong auf Lantau liegt.
    Wir liefen endlose Gänge entlang,  bis wir zur Passkontrolle kamen. Während wir unsere Einreiseformulare ausfüllten, lief im Hintergrund „Stie-hille Nacht, heilige Nacht“.
    In dieser völlig fremd anmutenden Umgebung, mit den Schriftzeichen, der fremden Sprache und dem Geruch nach speziellen Desinfektionsmitteln, wirkte das deutsche Weihnachtslied, das aus den blechernen Lautsprechern plärrte, völlig absurd.
    Mit strengem Blick, ohne eine Miene zu verziehen, kontrollierte der Zollbeamte meinen Pass und haute schließlich energisch die Stempel auf die Seite.
    Unsere Koffer drehten schon ihre Kreise auf dem Gepäckband.
    Mit der EC-Karte holte Thomas Geld aus dem Geldautomat. Immer ein spannender Moment, aber es lief problemlos. Mit einem sehr kleinen, uralten Taxi fuhren wir nach Kowloon zum Hotel. Unsere Koffer passten nicht in den Kofferraum und ragten  heraus. Kurzerhand griff der Taxifahrer zu einem Gummiband und „sicherte“ den Kofferraum. Für eine Fahrt von einer 3/4 Stunde kein so gutes Gefühl. Aber alles ging glatt.
    Im Hotel angekommen, wurden uns gleich die Koffer abgenommen. In chinesische Brokatjacken und langen schwarze Röcke gekleidete Frauen empfingen uns in der Lobby. Eine der Damen begleitete uns auf unser Zimmer. Das Zimmer ist sehr großzügig und der Blick einfach atemberaubend. Der Hafen mit der Skyline von Hongkong erfüllte das raumhohe Fenster. Das Wasser glitzerte in der Sonne und große und kleine Schiffe und Boote fuhren fast durchs Zimmer.
    Das Zimmermädchen brachte uns einen Korb mit frischem Tee. Wir ließen uns in die dicken Sessel fallen, tranken Tee mit Hafenblick und staunten…
    Noch völlig benebelt vom Flug, musste ich mir klar machen, dass ich nicht vor einer riesigen Fototapete sitze.
    Nun zog es uns aber raus. Es herrschten sommerliche Temperaturen. Viel wärmer, als ich gedacht hatte und schnell stellte ich fest, dass ich völlig falsche Klamotten eingepackt hatte. Weniger Pullover und mehr sommerliche Blusen wären angesagt gewesen.
    Wir gingen zunächst zur Nathan Road, eine der Haupteinkaufsstraßen in Kowloon.
     Menschengewimmel, Autogedrängel ...es herrscht Linksverkehr…Schildergewirr…Alles wirkte chaotisch und völlig unübersichtlich. Riesige Hochhäuser, neben fast verfallenen kleinen Häusern, Prada neben Billiggeschäften, knallbunte Apotheken mit exotischen Wurzeln, Häuten und völlig undefinierbaren Zutaten für die Chinesische Medizin, neben kleinen Elektronikläden. Ich war erst einmal völlig erschlagen.
    Wir bekamen Hunger. „Vielleicht sollten wir erst einmal in irgendeine Shopping-Mal gehen und dort nach einem Restaurant Ausschau halten,“ meinte Steffen und traf unseren Nerv. Wir konnten uns noch nicht vorstellen, in dem Gewirr etwas zu Essen zu finden. Uns fehlte noch völlig das Gefühl dafür, wo man wohl essen kann. Wo trauen wir uns schon rein, wo nicht…?
    In der Shopping-Mal wirkte aber alles so leer und unpersönlich…dazu hatten wir auch keine Lust. Auf der Straße fiel mein Blick auf eine Karte mit Dim Sum. Lesen konnten wir zwar nichts, aber die Bilder sahen lecker aus. Es war brechend voll, immer ein gutes Zeichen.
     Wir hatten Glück und bekamen noch einen Platz und der Oberkellner half uns beim Bestellen. Die Dim Sum waren herrlich!!!!  Dazu Tee so viel wie man wollte… Warum gibt es so etwas nicht in Deutschland?
    Sehr zufrieden mit unserem Glücksgriff, ließen wir uns wieder durch die Strassen treiben. Der chaotische Eindruck blieb. Ich bekam die Eindrücke einfach nicht sortiert. An der Uferpromenade genossen wir die sommerlichen Temperaturen und den Blick auf Hongkong Island. Es herrschte richtige Ferienstimmung. Die Menschen schlenderten herum, es war warm und roch nach Meer, Sonne und irgendwie tropisch.
    Es war Nachmittag und allmählich hatte uns der Jet-Lag im Griff.
    Wir taumelten durch die Strassen und ich konnte immer noch nicht so recht begreifen, wo ich eigentlich bin. Alles fühlte sich nach Chaos an. In einer riesigen Shopping-Mal, die gibt es hier an jeder Ecke, wollten wir uns von der Müdigkeit ablenken und die Menschen im Konsumrausch erleben. Aber auch hier war es schwer, irgend eine Orientierung zu bekommen.  
    Endlose Gänge, Geschäft an Geschäft. Ich hatte keine Ahnung, wie viele Etagen es gibt. Allein 60 Restaurant waren auf den tausenden von Quadratmetern verteilt. Jedes, aber wirklich jedes Label von Rang und Namen war vertreten.
    Wir konnten nicht mehr. Nur mühsam retteten wir uns bis zum Abendessen vor dem Umfallen.
    Zum Abendessen kam nur ein Restaurant in Hotelnähe in Frage. Es wimmelt von Restaurants, aber wo soll man reingehen?
    Das Chinesische Restaurant, für das wir uns schließlich entschlossen, war dann nicht so ganz nach meinem Geschmack.
    Das Rindfleisch hatte einen Beigeschmack, der mich zuhause dazu veranlasst hätte, es lieber unserem Kuschelhund in den Napf zu legen. Sie wäre begeistert gewesen, mir verschloss sich der Magen.  
    Im Hotel gab es dann nur noch eins: das Bett !!!



    Kilometerrauschen 23.12.2011, 03.32| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Verrückter...

    ..und bunter geht es wohl kaum...



    Kilometerrauschen 19.12.2011, 13.37| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

    Auf geht es...


    .....am 21. Dezember kehren wir der Deutschen Weihnacht den Rücken und stürzen uns ins quirlige Hongkong.

    Auf dieser Seite geht es um meine persönlichen Reiseeindrücke in diese, mir so völlig fremde Stadt. 

    Ich bin neugierig darauf, alles was ich von dieser Stadt und seinen Bewohnern gehört und gelesen habe, mit eigenen Augen zu sehen und eigenen Ohren zu hören. 

    Gefasste Vorurteile werden eventuell bestätigt, revidiert und von einer anderer Seite betrachtet ganz anders erscheinen.   

    Ich werde versuchen, eigene Gewohnheiten und Sichtweisen zuhause zu lassen, um dem Fremden möglichst offen zu begegnen. 


    Neben Hongkong ist ein Ausflug mit dem Zug nach Guangzhou (Kanton) und Shenzhen geplant. Natürlich wollen wir auch die Inseln, insbesondere Cheung Chau besuchen. Ob das wirklich alles in die Tat umgesetzt wird, werden wir vor Ort und spontan entscheiden. 

    Wir lassen uns gerne von den Dingen treiben, die uns vor Ort begegnen. 


    Wir, das ist meine Kleinfamilie, bestehend aus Ehemann Thomas und unserem  Sohn Steffen.

    Gemeinsam haben wir schon einige eindrucksvolle Reisen unternommen. 

    Dabei rauschten die Kilometer mal rasend schnell, mal schneckenlangsam mit uns durchs Leben:

    mit dem Schiff ging es über den Atlantik, ein anderes Mal durch den Panamakanal. Mit dem Zug durch Japan. Mit dem Auto durch die USA . Zu Fuß durch New York , das Tessin und etwas zaghaft auf den Azoren. Mit dem Flugzeug überbrücken wir große Distanzen zu den Startpositionen. 

    Natürlich nicht zu vergessen, die klingelnden Straßenbahnen, scheppernden und hupenden Taxis, ratternden U-Bahnen und schaukelnden Busse am Ort. 

    Wir legen Wert darauf, alles möglichst auf eigene Faust zu erkunden. 

    Da geht manches schief oder wir sehen, riechen und schmecken etwas ganz anderes als geplant. Aber genau das macht Reisen spannend. 


    Also. Wer Lust hat, kann hier an unseren Erlebnissen teilhaben und die Kilometer auf dem Computer mitrauschen lassen.

    Sofern ich es denn schaffe, wirklich in die Tastatur zu greifen…..


    Kilometerrauschen 16.12.2011, 16.38| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Hongkong 2011/2012

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